Kontroversen um Teufelsstatue in Esslingen: Kunstwerk oder gesellschaftlicher Streitpunkt?
In Esslingen sorgt eine neu enthüllte Bronze-Statue für reichlich Gesprächsstoff. Die Figur, ein Geschenk einer Sektkellerei anlässlich deren Jubiläums und dem 1250-jährigen Bestehen der Stadt, hat in den letzten zwei Wochen eine Welle der Kontroversen ausgelöst. Mehr als 5.600 Menschen haben sich bereits in einer Online-Petition für die Entfernung des Denkmals ausgesprochen. Die Aufregung ist nicht zu leugnen, und die Meinungen über die Statue könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die Evangelische Landeskirche steht allerdings auf der anderen Seite des Spektrums. Ihr Weltanschauungsbeauftragter, Andreas Oelze, hat klargestellt, dass die Statue keinen Grund zur Sorge gibt und die christlichen Glaubensüberzeugungen nicht bedroht. Man könne die Figur durchaus kritisieren, aber eine Angst vor ihr sei nicht nötig – ein interessanter Standpunkt, der in der Debatte oft untergeht. Die Stadtverwaltung, vertreten durch Stadtsprecher Michael Meier, hat sich entschieden, die Statue trotz der kritischen Stimmen vor dem Rathaus stehen zu lassen. Es gibt schließlich auch viel Zustimmung und Lob für das Denkmal.
Die Stimme des Volkes
In den Kommentaren der Petition äußern sich zahlreiche Bürger zu ihrem Unmut. Nicole Seidel aus Schwarzenberg im Erzgebirge bringt es auf den Punkt: „Wir sind ein christliches Land.“ Da kann man nur sagen: Das ist eine klare Ansage! Ein anonymer Kommentator aus Stuttgart fordert sogar: „No satanism in Esslingen!“ Ein anderer aus Pforzheim sieht in der Statue eine Verharmlosung des Bösen. Die Meinungen prallen aufeinander, als ob wir hier einen kleinen Kulturkampf beobachten. Dabei könnte man fast meinen, die Diskussion über die Statue seien ein Mikrokosmos für tiefere gesellschaftliche Spannungen, die in vielen Städten zu finden sind.
Jan Wedekind aus Filderstadt-Sielmingen hingegen sieht die Sache noch kritischer. Er argumentiert, dass die öffentliche Darstellung des Teufels, egal in welcher Form, eine Machtdarstellung sei. „Wenn die Gesellschaft die Möglichkeit eines Gottes anerkenne, solle sie sich ihm ehrfürchtig ergeben und keine Teufelsstatue aufstellen“, so Wedekind. Eine starke Aussage, die die Gemüter weiter erhitzt. Und John Quiring aus Wendlingen bringt es auf den Punkt: „Wir sollen Gott ehren und nicht dem Teufel!“
Ein Denkmal in der Kritik
Die Figur des Teufels, die in Esslingen nun das Stadtbild prägt, wird von vielen als negativ wahrgenommen. Das liegt nicht nur an der Darstellung selbst, sondern auch an der Symbolik, die sie mit sich bringt. Rolf Mun, der am 17. Oktober 2026 einen Kommentar zu dem Thema veröffentlichte, macht darauf aufmerksam, dass die Gestaltung von Figuren, insbesondere weiblicher, oft ein Minenfeld ist. Er spricht von der Schwierigkeit, die Marktfrau im Kunstwerk zu gestalten, da deren Figur und Kleidung ebenfalls Debatten auslösen könnten. Man fragt sich, ob die Stadt hier nicht einfach eine neue Baustelle eröffnet hat – eine, die mit Kunst und Identität zu tun hat.
Mun schlägt vor, neben der Teufelsstatue eine Informationstafel aufzustellen, die über die Esslinger Zwiebelsage informiert. Ein QR-Code könnte den Besuchern die Möglichkeit bieten, sich mit der lokalen Geschichte vertraut zu machen. Zudem könnte ein Wettbewerb zur Gestaltung der Marktfrau angestoßen werden. Ein beleuchtetes Plexiglas-Bild als Siegerentwurf könnte dann neben dem Teufel aufgestellt werden. Solarbetrieben, versteht sich! Eine innovative Idee, die den Dialog anregen könnte.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Werden die Kritiker Gehör finden, oder bleibt der Teufel der Stadt ein ständiger Begleiter? Eines ist sicher: Esslingen hat durch die Statue nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Thema, das die Gemüter bewegt und zum Nachdenken anregt.
