Streit um den Zwieblinger Teufel: Bronze-Statue sorgt für Empörung in Esslingen
In Esslingen am Neckar brodelt es gewaltig! Ein ganz besonderer Streit dreht sich um eine neue Bronze-Statue, die erst seit knapp zwei Wochen auf dem Rathausplatz zu finden ist. Die überlebensgroße Figur des „Zwieblinger Teufels“ hat die Gemüter erhitzt – und das nicht nur unter den Esslingern selbst, sondern auch weit darüber hinaus. Die Statue, geschaffen vom Esslinger Künstler Tim Bengel, zeigt den Teufel mit Hörnern, einer langen Zunge und einem angewiderten Blick. Was er in der Hand hält, könnte kaum passender sein: eine Zwiebel!
Die Statue ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Teil einer alten Legende, die so manch einem in der Stadt bekannt sein dürfte. Die Geschichte erzählt, wie der Teufel einst auf dem Esslinger Markt einen Apfel probieren wollte, jedoch von einer Marktfrau mit einer Zwiebel überlistet wurde. Wütend über den Scherz über die Esslinger, die seither „Zwieblinger“ genannt werden, floh er nach Stuttgart. Die Zwiebel hat sich in Esslingen bis heute als hübsches Aushängeschild etabliert – man findet sie in Logos, Designs und natürlich in vielen Geschäften. Doch die Statue hat nicht nur Bewunderung hervorgerufen, sondern auch einen Sturm der Entrüstung.
Der Aufschrei in den sozialen Medien
Die Kritik an dem Denkmal schoss in sozialen Medien in die Höhe. Eine Online-Petition, die bereits über 5.000 Unterschriften gesammelt hat, macht deutlich, dass viele Esslinger mit der Darstellung des Teufels unzufrieden sind. Einige fordern sogar, die Marktfrau darzustellen oder die Statue ganz zu entfernen. Unter den Unterschriebenen sind mehr als 1.000, die in Esslingen wohnen. Das ist eine Menge Holz! Kritiker bezeichnen die Figur als geschmacklos und befürchten, dass der Teufel damit zu viel Aufmerksamkeit erhält. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Statue zudem mit schwarzer Farbe beschmiert – ein Zeichen der Protestierenden, das die Welle der Empörung noch verstärkt hat.
Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der mit solch heftigen Reaktionen nicht gerechnet hatte, möchte die Statue trotz allem stehen lassen. „Sie bereichert den öffentlichen Raum und soll Menschen dazu anregen, sich eine eigene Meinung zu bilden“, sagt er. Das Ziel der Stadt war es, die Sage anlässlich des 1.250-jährigen Stadtjubiläums im kommenden Jahr in die Stadt zu bringen. Doch die Diskussion hat auch ihre Schattenseiten. Morddrohungen wurden gegen Klopfer ausgesprochen, und die Polizei ermittelt bereits. Die Stadt hat unter anderem die Kommentarfunktion auf Instagram geschlossen, um weiteren verletzenden Äußerungen vorzubeugen. Es wird deutlich, dass die Debatte in sozialen Netzwerken nicht nur hitzig, sondern auch teilweise beleidigend und unsachlich ist.
Künstlerische Absichten und öffentliche Reaktionen
Tim Bengel, der 1991 in Ostfildern geboren wurde und in Tübingen Kunstgeschichte und Philosophie studierte, sieht das Feedback vor Ort als überwiegend positiv. „Ich habe mit Aufmerksamkeit gerechnet, aber nicht mit einer Diskussion in einem stark religiösen Kontext“, erklärt er. Die Statue, die 2,50 Meter hoch ist, wiegt etwa 400 Kilogramm und hat einen Wert von 200.000 Euro. Sie wurde in einer Kunstgießerei im Landkreis Göppingen gefertigt. Bengel hat den Teufel bewusst nicht als Helden, sondern als Bösewicht dargestellt, der in dem Moment seiner Niederlage eingefangen wurde. Die Marktfrau lässt er absichtlich weg, damit die Betrachter sich selbst ein Bild von ihr machen können.
Die Kirchen in Esslingen haben keine Angst vor der Teufelsfigur. Der evangelische Dekan Klaus-Peter Lüdke verurteilt die Hetze im Internet und betont, dass der Sage zu entnehmen sei, dass dem Bösen, Hass und Menschenfeindlichkeit kein Raum gegeben werden dürfe. Ein älteres Teufelsdenkmal, das bereits seit rund 700 Jahren an der Esslinger Frauenkirche steht, scheint die Gemüter nie so aufgewühlt zu haben. Vielleicht liegt das daran, dass die Diskussion über Kunstwerke im öffentlichen Raum nicht neu ist – sie ist so alt wie die Kunst selbst.
Kunst im öffentlichen Raum: Ein heißes Eisen
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kunstwerk in der Öffentlichkeit für Aufregung sorgt. Kontroversen über Kunst im öffentlichen Raum sind wiederkehrend. Ob das „Käthchen-Denkmal“ in Heilbronn oder die skandalträchtige Skulptur von Hans Kindermann in Singen – die Debatten um Kunst sind oft genauso facettenreich wie die Werke selbst. Kunst fordert heraus und regt zum Nachdenken an. In Esslingen scheint der „Zwieblinger Teufel“ genau das zu tun. Viele Passanten bleiben stehen, machen Fotos und Selfies mit der Statue. Es ist ein Zeichen, dass trotz aller Kontroversen das Interesse an der Esslinger Geschichte und ihrer Sagen steigt. Im Souvenir-Shop sind plötzlich Teufelsartikel gefragt wie nie zuvor.
Die Diskussion um die Statue wird sicherlich noch weitergehen. Die Stadt und ihre Bürger müssen sich neu positionieren und ihre kulturelle Identität im Kontext von Tradition und Moderne neu definieren. Der „Zwieblinger Teufel“ könnte, so scheint es, nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Symbol für den Dialog über Kunst, Geschichte und Identität sein.
