In Esslingen am Neckar, wo die Zeit manchmal stehen zu bleiben scheint, hat eine neue Bronze-Teufelsfigur die Gemüter ordentlich erhitzt. Seit etwa zwei Wochen thront die 2,50 Meter hohe Statue stolz vor dem Rathaus und sorgt für eine regelrechte Debatte. Die Figur, geschaffen von Künstler Tim Bengel, stellt den Teufel mit Hörnern, einer langen Zunge und einer Zwiebel in der Hand dar. Ja, richtig gehört! Diese Zwiebel ist nicht einfach nur eine Zwiebel, sondern ein ganz wichtiges Stück Esslinger Geschichte.

Die Sage erzählt von einem alten Markt, auf dem der Teufel, der damals noch unentdeckt war, einen Apfel kaufen wollte. Doch die schlaue Marktfrau erkannte ihn am Huf und verkaufte ihm stattdessen eine Zwiebel. Nach dem ersten Biss wurde der Teufel wütend und verfluchte die Esslinger als „Zwieblinger“. Ein Name, der bis heute in der Stadt ein Begriff ist. Die Figur wurde anlässlich des 1250-jährigen Stadtjubiläums und dem 200-jährigen Bestehen der Sektkellerei Kessler aufgestellt, die sie der Stadt geschenkt hat.

Geteilte Meinungen und hitzige Debatten

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Denn die Reaktionen auf die Statue sind alles andere als einheitlich. Mehr als 5.600 Menschen haben bereits eine Online-Petition unterschrieben, um die Entfernung des Denkmals zu fordern. Kritiker empfinden die Darstellung als geschmacklos oder sogar als religiös problematisch. Einige schlagen vor, die Marktfrau anstelle des Teufels darzustellen. Während die Stadt Esslingen und Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) die Statue dennoch als Bereicherung des öffentlichen Raums sehen und sie stehen lassen wollen, zeigen sich andere besorgt über die hitzigen Kommentare, die im Netz kursieren. Die Stadt musste sogar die Kommentarfunktion auf Instagram schließen, nachdem die Diskussion völlig eskaliert ist.

Die Polizei ist mittlerweile eingeschaltet und ermittelt wegen Morddrohungen gegen den Oberbürgermeister und weiteren Bedrohungen. Diese Eskalation hat für einige Aufregung gesorgt, denn während die Statue als Kunstwerk betrachtet wird, scheinen einige Menschen den Bezug zur Sage nicht zu verstehen. Die Evangelische Landeskirche sieht in der Figur keine Bedrohung für den christlichen Glauben und betont, dass Angst vor dem Teufel nicht nötig sei. Dekan Klaus-Peter Lüdke verurteilt die Hetze im Internet und erinnert daran, dass es an der Esslinger Frauenkirche bereits seit Jahrhunderten eine historische Teufelsdarstellung gibt.

Ein Stück Esslinger Geschichte

In Esslingen, wo die Zwiebel nicht nur eine Zutat, sondern ein Teil der Identität ist, hat die Statue auch positive Seiten. Viele Passanten bleiben stehen, fotografieren den Teufel und machen Selfies. Die Diskussion um die Statue hat das Interesse an der Esslinger Geschichte und Kultur neu entfacht. Im Souvenir-Shop steigt die Nachfrage nach Artikeln mit Teufelsmotiven. Tim Bengel, der 1991 in Ostfildern geboren wurde und an der Universität Tübingen Kunstgeschichte und Philosophie studierte, hat mit dieser Figur nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen.

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Die Statue ist nicht die erste ihrer Art, die in der Stadt aufgestellt wurde. Kunst im öffentlichen Raum ist ein Thema, das immer wieder zu Kontroversen führt. Die Diskussion um die Nanas von Niki de Saint Phalle in Hannover oder die Reichstagsverhüllung von Christo und Jeanne-Claude in Berlin zeigen, dass Kunst immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Der Esslinger Teufel reiht sich somit in diese Tradition ein, die von Meinungsverschiedenheiten und neuen Perspektiven geprägt ist. Ob als Symbol für die Esslinger Stadtgeschichte oder als Anlass für hitzige Debatten, der Teufel wird wohl noch einige Zeit für Gesprächsstoff sorgen.