In der malerischen Stadt Esslingen am Neckar steht seit knapp zwei Wochen ein ganz besonderes Kunstwerk: Eine 2,50 Meter hohe Bronze-Statue, die den „Zwieblinger Teufel“ darstellt. Diese Figur sorgt nicht nur für Staunen, sondern auch für heftige Diskussionen. Gestritten wird über den Standort, das Design und die damit verbundenen kulturellen Hintergründe. Bei genauem Hinsehen sieht man, dass der Künstler Tim Bengel mit viel Kreativität und einer Prise Humor die Sage um den Teufel kreativ verarbeitet hat. In seinen Details – die Hörner, die lange Zunge und die Zwiebel in der Hand – spiegelt sich die Esslinger Geschichte wider. Aber das ist nicht alles, was die Statue zu bieten hat.

Die Statue, die rund 400 Kilogramm wiegt und mit etwa 200.000 Euro zu Buche schlägt, wurde als Geschenk einer Sektkellerei zum 200. Jubiläum der Firma und zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt aufgestellt. Doch während die Stadtverwaltung sie als Bereicherung des öffentlichen Raums sieht, gibt es auch viele kritische Stimmen. Über 5.600 Menschen haben sich in einer Online-Petition für die Entfernung der Figur ausgesprochen. Einige empfinden sie als geschmacklos und befürchten, dass sie den Teufel glorifiziert. Die Stadt hingegen hält an ihrem Standort vor dem Rathaus fest und verweist auf die Zustimmung, die sie ebenfalls erhält.

Ermittlungen und Drohungen

Die Stimmung um die Statue hat sich in den letzten Tagen weiter zugespitzt. Die Polizei ermittelt aufgrund von Drohungen gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) und wegen Sachbeschädigung. In sozialen Medien sind beleidigende Kommentare und sogar Morddrohungen aufgetaucht. Klopfer, der selbst überrascht von den heftigen Reaktionen ist, möchte die Statue trotz aller Kritik stehen lassen. Für ihn ist es wichtig, dass Kunst im öffentlichen Raum diskutiert wird und jeder seine eigene Haltung dazu entwickeln kann.

Die Evangelische Landeskirche zeigt sich hingegen gelassen und sieht in der Statue keine Bedrohung für den christlichen Glauben. Der evangelische Dekan Klaus-Peter Lüdke hat die Hetze im Internet verurteilt und erklärt, dass die Geschichte des Teufels auch als Mahnung verstanden werden kann, dass Hass und Menschenfeindlichkeit keinen Platz in der Gesellschaft haben sollten. Eine ältere Teufelsfigur, die an der Frauenkirche steht, erinnert ebenfalls an die alte Sage, die im Stadtleben verankert ist.

Reaktionen der Bürger

Die Reaktionen der Esslinger Bürger sind so bunt wie die Stadt selbst. Während viele Passanten die Statue fotografieren und Selfies machen, gibt es auch Rückmeldungen, die eher zurückhaltend sind. Einige finden die Figur modern und durchaus passend zur Stadtgeschichte, andere können sich mit ihr so gar nicht anfreunden. Bengel, der die Statue bewusst nicht als Helden, sondern als Bösewicht im Moment seiner Niederlage gestaltet hat, möchte, dass die Betrachter ihre eigene Vorstellung von der Marktfrau entwickeln. Das ist ein mutiger Schritt, der nicht jedem schmeckt.

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Die Diskussion um den Zwieblinger Teufel könnte man fast als modern interpretieren. Sie zeigt, wie Kunst und Geschichte immer wieder neu verhandelt werden müssen. Und während die Stadt Esslingen in den nächsten Monaten ihr 1250-jähriges Bestehen feiert, wird die Statue sicher weiterhin im Mittelpunkt der Gespräche stehen – sei es in den sozialen Medien oder beim gemütlichen Plausch auf dem Rathausplatz. Wer weiß, vielleicht wird sie sogar zum Symbol für ein lebendiges, wenn auch kontroverses, kulturelles Erbe der Stadt.