In Stuttgart gibt es einen Ort, der Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 21 Jahren ein Stück Sicherheit und Geborgenheit bietet: die Wohngruppe Jella. Hier wird nicht nur ein Wohnraum geschaffen, sondern ein Raum für Veränderungen. Heidrun Neuwirth, die Leiterin von Jella, widmet sich seit 25 Jahren dem Thema Drogenabhängigkeit und kennt die Herausforderungen, vor denen viele dieser jungen Frauen stehen. Oft versuchen sie, ihre Probleme, Sorgen und Ängste mit Drogen zu betäuben. Ein gefährlicher Weg, der in der Gesellschaft häufig unbemerkt bleibt.

Das Besondere an Jella ist das Konzept, das auf individuelle Unterstützung und Förderung der Selbstständigkeit abzielt. Die Bewohnerinnen leben in großen, hellen Zimmern, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können. Hier wird Wert auf einen drogen- und gewaltfreien Lebensraum gelegt, in dem klare Strukturen herrschen. Doch es geht nicht nur um Therapie, sondern auch um das Leben selbst. Gesunde Freundschaften, Hobbys und gemeinsame Erlebnisse sind fester Bestandteil des Alltags. Und das ist wichtig, denn für viele Mädchen dient der Drogenkonsum oft als Bewältigungsmechanismus.

Therapie und Unterstützung

Die Betreuerinnen in Jella sind nicht nur Ansprechpartnerinnen in Krisensituationen, sondern auch Wegbegleiterinnen in der persönlichen Entwicklung. Die persönliche Bezugsbetreuerin hilft dabei, die Herausforderungen im Alltag zu meistern, sei es in der Schule, bei der Jobsuche oder im Umgang mit der Familie. Therapeutische Angebote wie Gruppentherapie, Kunsttherapie oder auch NADA-Akupunktur sind Teil des Konzepts. Hier wird mit einem breiten Spektrum an Methoden gearbeitet, um den Bewohnerinnen zu helfen, ihre Ressourcen zu stärken und neue Wege zu finden.

Ebenfalls wichtig sind die Workshops, die praktische Fähigkeiten vermitteln. Selbstbehauptung, gesunde Ernährung oder der Umgang mit sozialen Medien – all das sind Themen, die hier behandelt werden. Außerdem gibt es zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Joggen, Klettern oder Tanzen, die nicht nur den Körper, sondern auch den Geist stärken. Mehrmals im Jahr finden gemeinsame Aktivferienfreizeiten statt, die den Mädchen neue Perspektiven und Erfahrungen eröffnen.

Die Realität der Sucht

Die Realität ist jedoch, dass Jugendliche in stationären Jugendhilfeeinrichtungen oft riskanter konsumieren als Gleichaltrige. Ihre belasteten Biografien machen sie zu einer Risikogruppe für eine spätere Suchtentwicklung. Umso wichtiger ist es, dass Einrichtungen wie Jella konzeptionell verankerte Suchtprävention anbieten. So wurde im Bundesmodellprojekt „QuaSiE“ von 2016 bis 2018 an praxisnahen Ansätzen gearbeitet, um die Suchtprävention in stationären Einrichtungen zu verbessern. Hierbei wurde deutlich, dass eine professionelle Haltung und die Gestaltung von Regelwerken im Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Hilfe entscheidend sind.

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Die Herausforderungen sind groß, aber die Hoffnung auf Veränderung ist noch größer. Jella ist nicht nur ein Ort des Rückzugs, sondern ein Ort, der den Mädchen hilft, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Das Team begleitet sie auf ihrem Weg, sei es zurück ins Elternhaus, in eine eigene Wohnung oder in eine andere Stadt. Die medizinische Versorgung wird durch Fachärzte sichergestellt, und die Mädchen werden auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit umfassend unterstützt.