Am vergangenen Wochenende, genauer gesagt am 27. Oktober 2026, fand in Heggbach ein ganz besonderes Treffen statt. Acht ehemalige Auszubildende kehrten nach 50 Jahren zurück zu ihren Wurzeln in der Heilerziehungspflege. Es war ein emotionaler Moment, als sie die Einrichtung besichtigten, in der sie 1976, als Teil des dritten Ausbildungsjahrgangs am damaligen Sozialpädagogischen Institut in Ravensburg, ihre ersten Schritte in der sozialen Arbeit machten. Die dreijährige Ausbildung war eine spannende Mischung aus theoretischem Unterricht in Ravensburg und praktischer Arbeit in Heggbach, wo sie gemeinsam mit engagierten Franziskanerinnen tätig waren.

Wie sich die Zeiten geändert haben! Die damaligen Betreuungsbedingungen waren oft eine Herausforderung. Gruppen von bis zu 30 Bewohnern waren die Norm, und die Vorbereitungen für die Nachtruhe begannen deutlich früher als heute. Einmalhandschuhe oder Spülmaschinen? Fehlanzeige! Es war an der Tagesordnung, selbst den Abwasch zu übernehmen. Kaum vorstellbar, wenn man heute die modernen Standards betrachtet. Und während Autos vor der Kirche parkten, war die Verwaltung in einfacheren Baracken untergebracht. Das Leben in Heggbach war stark von den klösterlichen Regeln geprägt. Kleiderordnung war ein großes Thema, kurze Röcke waren ein No-Go, und sogar Bewegungen von Klienten zu Rockmusik wurden als unpassend empfunden.

Ein Blick zurück und nach vorn

Die Rückkehr der ehemaligen Auszubildenden war auch eine Gelegenheit, die Entwicklung der Einrichtung zu reflektieren. Im Laufe der Jahre wurden die Betreuungsangebote differenzierter und die Gebäude besser an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Wolfgang Bohner, der einst als Zivildienstleistender begann und später seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger absolvierte, berichtete von seinen Anfängen und von der wertvollen Erfahrung, die er in Heggbach sammeln konnte. Annabel Munding von der St. Elisabeth-Stiftung betonte, wie wichtig der Zivildienst als Einstieg in soziale Berufe für viele junge Männer war. Heute sind es oft Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres, die in Heggbach ihren Weg finden.

Die WfbM-Niederlassung in Heggbach, die seit 1970 besteht und die traditionsreichste sowie größte Produktionsstätte der St. Elisabeth-Stiftung ist, hat sich über die Jahre ebenfalls stark weiterentwickelt. Hier werden nicht nur Kundenaufträge termingerecht und mit modernen Maschinen ausgeführt, sondern auch eigene Produkte, wie Gewächshäuser, Hochbeete und Komposter, gefertigt. Diese Vielfalt zeigt, wie wichtig die Werkstatt in der heutigen Zeit ist und welche Möglichkeiten sie für Menschen mit Behinderungen bietet.

Die menschliche Komponente

Bei dem Treffen wurden nicht nur bauliche Veränderungen vorgestellt, sondern auch die menschlichen Geschichten, die mit Heggbach verbunden sind. Werner Schaut, der nach seiner Ausbildung die Leitung einer Gruppe übernahm und bis zu seinem Ruhestand als Wohnbereichsleiter tätig war, besucht die Einrichtung auch heute noch regelmäßig. Er trifft dort auf alte Kollegen und ehemalige Bewohner. Es war schön zu hören, dass er in Heggbach sogar seine Frau kennengelernt hat – eine kleine Anekdote, die zeigt, wie sehr das Leben in der Einrichtung die Menschen verbindet.

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Das Treffen klang mit einer gemeinsamen Kaffeerunde aus. Ein Moment des Austauschs, der Erinnerungen an vergangene Zeiten weckte und die Verbundenheit der ehemaligen Auszubildenden mit Heggbach deutlich machte. Der Nachmittag war nicht nur eine Rückschau, sondern auch ein Blick in eine Zukunft, in der die St. Elisabeth-Stiftung weiterhin eine zentrale Rolle in der sozialen Arbeit einnimmt.