In Stuttgart-Feuerbach, wo die Stuttgarter Straße 86 seit 152 Jahren ein Anlaufpunkt für Schuhliebhaber ist, wird bald das Licht ausgehen. Das traditionsreiche Fachgeschäft Schuh-Sport-Striegel schließt seine Türen, und das sich nicht nur wegen der sinkenden Umsätze, sondern auch aufgrund gestiegener Energie- und Betriebskosten. Geschäftsführer Markus Müller, der seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen tätig ist, nennt die Gründe mehr als deutlich: “Die Kunden kommen vorbei, lassen sich beraten und bestellen dann online.” Ein Phänomen, das nicht nur hier, sondern im ganzen Land immer mehr Fuß fasst. Der Räumungsverkauf, der bereits Ende September begann, ist die letzte Gelegenheit für alle, die sich noch ein paar Paar Schuhe sichern wollen, bevor das Geschäft endgültig schließt.

Die Schließung von Striegel ist kein Einzelfall. Der deutsche Schuhhandel hat im ersten Halbjahr 2025 deutliche Umsatzrückgänge im stationären Geschäft verzeichnet. Laut dem Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE) lagen die Erlöse durchschnittlich 3 bis 4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Währenddessen blüht der Online-Schuhhandel: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Ausgaben um 5,8 Prozent, und im zweiten Quartal sogar um 7,6 Prozent. Es ist ein klarer Trend, der nicht ignoriert werden kann.

Ein trauriges Bild für Traditionsgeschäfte

Das Bild in vielen Städten ist düster. In zahlreichen mittelgroßen Städten gibt es laut BTE-Experte Sönke Padberg inzwischen kein Schuhhaus mehr mit breitem Sortiment und Fachberatung. Die Zahl der Unternehmen im stationären Schuhhandel hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als halbiert. 2010 gab es noch über 5.000 Betriebe, heute sind es höchstens 2.500. Ein erschreckender Rückgang, der auch an der anhaltenden Insolvenzwelle im Schuhfachhandel liegt. Die Kunden weichen zunehmend auf den Online- oder Modehandel aus – ein Trend, der sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt hat.

Im Jahr 2024 feierte Schuh-Sport-Striegel sein 150-jähriges Bestehen. Ironischerweise wird das Jubiläum von der Schließung überschattet. Der stationäre Handel hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen, die weit über die gestiegenen Preise hinausgehen. Kaufzurückhaltung, Bürokratie und ein Attraktivitätsverlust der Innenstädte sind nur einige der Hürden, die Händler überwinden müssen. Dabei sind die Kosten seit 2020 um rund 30 Prozent gestiegen, und die Umsätze im stationären Schuhhandel liegen weiterhin unter dem Vorkrisenniveau.

Die Zukunft des Schuhhandels

Wie geht es nun weiter? Die Prognosen für 2025 sind verhalten. Zwei Drittel der Schuh- und Lederwarenhändler erwarten laut HDE-Konjunkturumfrage einen Umsatzrückgang. Nur knapp 20 Prozent rechnen mit Umsatzsteigerungen. Die Branche hat sich nach den Rückgängen während der Pandemie zwar etwas erholt, doch der Nettoumsatz von mehr als 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 lag weiterhin unter dem Niveau vor der Krise. Die Dominanz großer Ketten nimmt zu, während die traditionellen Geschäfte, wie Schuh-Sport-Striegel, langsam aber sicher aus dem Stadtbild verschwinden.

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Der Abschied von Striegel ist nicht nur ein Verlust für die lokale Gemeinschaft, sondern auch ein Zeichen für die Veränderungen im Einzelhandel. Ob wir in Zukunft noch ähnliche Geschäfte erleben werden, bleibt abzuwarten. Doch die Veränderungen sind spürbar, und die Frage bleibt: Was bedeutet das für unsere Innenstädte und die Vielfalt, die wir so schätzen?