Mercedes-Benz in Untertürkheim: Abfindungsprogramm als Antwort auf den Wandel zur Elektromobilität
In Untertürkheim, wo der Duft von Motoren und frischem Metall in der Luft liegt, stehen die Mitarbeiter von Mercedes-Benz vor entscheidenden Veränderungen. Das Unternehmen hat kürzlich ein Abfindungsprogramm ins Leben gerufen, das insbesondere die Produktionsmitarbeiter betrifft. Abfindungen bis zu 330.000 Euro werden angeboten, um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Diese Programme laufen bereits in den Komponentenwerken Stuttgart-Untertürkheim und Berlin, wo seit Anfang September Freiwilligenprogramme bis November angeboten werden. Der Hintergrund? Ein Sparprogramm mit dem Titel „Next Level Performance“, das vor allem durch schwache Geschäfte in China und Managementfehler notwendig geworden ist.
Es ist nicht zu leugnen, dass die Automobilindustrie in Deutschland sich in einem Umbruch befindet. Der Wechsel zur Elektromobilität bringt nicht nur neue Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich. So wird im dritten Quartal 2026 ein Anteil von 25 Prozent an Elektrofahrzeugen und Hybriden erwartet, und bis 2028 sollen es bereits 40 Prozent sein. Das bedeutet, dass in Untertürkheim und Berlin nicht nur die Produktion von Verbrennerkomponenten zurückgeht, sondern auch die Zahl der benötigten Arbeitskräfte. In Untertürkheim arbeiten derzeit noch 12.500 Menschen – ein Rückgang um 22 Prozent seit 2021.
Abfindungsangebote und freiwillige Programme
Die Abfindungsbedingungen sind dabei recht komplex. Beschäftigte bis 56 Jahre können mit Abfindungsverträgen rechnen, die zum Beispiel für einen 50-Jährigen einen Sockelbetrag von 22.500 Euro plus 40 Bruttomonatsgehälter umfassen. Wer auf eine bezahlte Freistellung verzichtet, darf sich sogar über zusätzliche 7,5 Monatsgehälter freuen. Für Schichtleiter in Entgeltgruppe 12 summieren sich die Abfindungen auf rund 330.000 Euro. In Berlin gibt es zwar ähnliche Programme, jedoch ohne die Turboprämie, die dort 2026 letztmals gezahlt wird. In Untertürkheim hingegen gibt es zusätzlich eine pauschale Zahlung von 10.000 Euro, weil dort keine Perspektivberatung angeboten wird.
Mercedes bietet seinen Mitarbeitern auch eine Orientierungszeit außerhalb des Konzerns an. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein: zwei Jahre mit 20.000 Euro oder drei Jahre mit 30.000 Euro. Wer nicht zurückkehren möchte, bekommt die Hälfte der regulär zustehenden Abfindung. Das alles geschieht unter dem Prinzip der „doppelten Freiwilligkeit“. Ein Mitarbeiter muss nicht gehen, und Mercedes darf Anträge ablehnen, um Fachkräfte in Schlüsselpositionen zu halten. So bleibt die Frage: Wie viele Mitarbeiter werden sich tatsächlich für diese Angebote entscheiden?
Ein Blick auf die Zukunft
Der Druck auf Mercedes wächst. Immer mehr Beschäftigte verlassen das Unternehmen, und der Gewinn ist im Jahr 2025 von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro gesunken. Auch andere Automobilhersteller, wie BMW, haben bereits Abfindungsprogramme aufgelegt, und der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet bis 2035 mit einem Verlust von 225.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie. Das bedeutet, dass nicht nur die großen Spieler wie Mercedes unter Druck stehen. Zulieferbetriebe werden besonders hart getroffen, da viele Stellen in der Übergangszeit zur Elektromobilität wegfallen.
Die Veränderungen in der Automobilindustrie sind nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für neue Technologien und Arbeitsmodelle. Mercedes hat angekündigt, seine Abfindungsprogramme erneut aufleben zu lassen, um auch die indirekten Bereiche abzudecken. Ab Dezember 2026 sollen individuelle Angebote für Tarifbeschäftigte und teilweise auch für Führungskräfte bereitgestellt werden. Die ersten Programme haben bereits 2025 begonnen und über 5.500 Beschäftigte dazu bewegt, das Unternehmen zu verlassen. Es bleibt abzuwarten, wie die nächsten Monate verlaufen und welche Entscheidungen die Mitarbeiter treffen werden.
