Besucherzahlen des Cannstatter Volksfests: Realität oder Illusion?
Die Luft riecht nach gebrannten Mandeln und frisch gezapftem Bier, während das Cannstatter Volksfest dieses Jahr wieder seine Pforten öffnete. Doch was ist das? Ein Schlag ins Gesicht für die Statistik: 2026 wurden nur noch 2,5 Millionen Besucher gezählt – ein Rückgang von 1,7 Millionen im Vergleich zu den 4,2 Millionen im Jahr 2025. Wie kann das sein? Veranstalter, Wirte und Schausteller sind sich nicht so ganz einig, ob diese Zahlen der Realität entsprechen. Sie bezweifeln, dass tatsächlich so viele weniger Menschen auf dem Wasen waren, vor allem, weil die Stimmung in den Festzelten überaus positiv war.
Guido von Vacano, der Geschäftsführer von in.Stuttgart, hat sich bereits nach dem ersten Wochenende Gedanken gemacht. Er ließ die Besucherzahlen zusätzlich zur automatischen Zählung manuell erfassen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Eine teure, 40.000 Euro umfassende Anlage, die seit 2024 im Einsatz ist und mit Videokameras arbeitet, zeigt Schwankungen von bis zu 30 Prozent an. Die manuelle Zählung durch Mitarbeitende an den Eingängen mit Handzählgeräten kam da als zusätzliche Absicherung gerade recht. Seltsamerweise scheinen die Ergebnisse der Polizei und der Rettungsdienste nicht mit dem Rückgang übereinzustimmen – die Auslastung war ähnlich wie in den Vorjahren.
Die ungewisse Zählung
Die Festzelte waren gut gefüllt, und die Schausteller zeigten sich zufrieden. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann war überrascht von den neuen Zahlen, die am zweiten Festwochenende auf den Tisch kamen. Es ist kaum zu fassen, dass ein Rückgang um mehr als eine Million Besucher nicht zu einem spürbaren Umsatzrückgang geführt haben soll. Die Buchungen im Vorfeld lagen sogar sechs Prozent über dem Vorjahr! Festwirt Michael Wilhelmer bezeichnete den Verlauf als äußerst positiv. Die Frage bleibt: Wie realistisch sind die Besucherzahlen aus den vergangenen Jahren wirklich?
Marc Roschmann, der Sprecher der Schausteller, äußerte als Einziger Zweifel an den höheren Besucherzahlen der Vorjahre. „Ein tatsächlicher Rückgang um 1,7 Millionen hätte sich deutlich auf andere Kennzahlen ausgewirkt“, meinte er. Personaleinsatz, Stromverbrauch und Müllaufkommen blieben fast unverändert. Die Betreiber des Volksfests haben keine Vorwürfe gegen frühere Organisatoren erhoben und möchten die aktuellen Zahlen unverändert veröffentlichen. Es bleibt unklar, woher der große Unterschied zwischen den aktuellen und den früheren Besucherzahlen stammt.
Technik hinter der Zählung
Interessant ist auch die Technik, die hinter der Besucherzählung steckt. Seit 2024 kommen Kameras zum Einsatz, die über den Ein- und Ausgang der Festwiese installiert sind. Diese können zwar Schwankungen aufweisen, doch sind sie eine wichtige Sicherheitsmaßnahme. Neben der Videoüberwachung gibt es auch manuelle Zählungen mit Klickern, die täglich durchgeführt werden. Die Verantwortlichen arbeiten daran, die Zählmethoden zu verbessern und zukünftig mit realistischen Zahlen zu arbeiten – auch wenn höhere Werte für das Marketing vorteilhaft wären.
Ehrlich gesagt, die Debatte um die Besucherzahlen wirft Fragen auf. Wie genau sind solche Zählungen überhaupt? Es gibt verschiedene Methoden, um Besucherströme zu erfassen, von Wi-Fi-Analysen über 3D-Sensoren bis hin zu Mobilfunkdaten. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Das Wichtigste bleibt, dass die Daten anonymisiert und aggregiert werden, um den Datenschutz zu gewährleisten. Und das ist in der heutigen Zeit besonders wichtig!
Während sich die Diskussion über die Besucherzahlen weiterentwickelt, bleibt das Fest für viele ein Highlight des Jahres. Die Vorfreude auf das nächste Jahr ist bereits spürbar, auch wenn die Zielmarke von fünf Millionen Besuchern für Guido von Vacano nicht mehr realistisch erscheint. Stattdessen möchte er den Fokus auf die Vermittlung der historischen Wurzeln, mehr Internationalität und ein zentralisiertes Buchungssystem legen. Klingt nach einer spannenden Zukunft für den Wasen, nicht wahr?
