Der Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt ist ein Ort, der in der öffentlichen Wahrnehmung stark umstritten ist. Intensiv genutzt als Knotenpunkt für den Nahverkehr, wird der Platz von vielen Anwohnern als unattraktiv und ungemütlich empfunden. Bei Temperaturen über 30 Grad speichert der Beton die Hitze und macht den Aufenthalt für die Nutzer unangenehm. Eine 27-jährige Cannstatterin beschreibt den Platz zwar als ungemütlich, erkennt aber den Vorteil der Nähe zu einer beliebten Kneipe.
Immer wieder wird der Wilhelmsplatz als einer der „hässlichsten“ Orte in Stuttgart bezeichnet, allerdings fehlen objektive Statistiken, die diese Behauptung untermauern. Ehemals als repräsentatives Zentrum konzipiert, steht heute die Funktion als Verkehrsknotenpunkt im Vordergrund. U-Bahnen fahren hier im Minutentakt, was zu einem ständigen Hintergrundrauschen führt.
Soziale Probleme und Sicherheitslage
Ein 32-jähriger Mann merkt an, dass viele Menschen aus schwierigen ökonomischen Verhältnissen den Platz häufig besuchen. Frauen und Männer unterschiedlichen Alters beklagen sich über Müll und mangelnde Sauberkeit und vergleichen Cannstatt negativ mit Tübingen. Eine 61-Jährige fordert zudem eine Reduzierung des Autoverkehrs in der Umgebung. Als „sozialen Brennpunkt“ bezeichnet eine Dame den Platz, was jedoch von der Polizei nicht bestätigt wird. Polizeisprecher Stephan Widmann berichtet von einer Abnahme der schweren Delikte, weshalb die Situation trotz der Klagen nicht als bedenklich eingestuft wird.
Im Jahr 2023 wurden 25 Rohheitsdelikte verzeichnet; im Vorjahr waren es 17. Dennoch bleibt der Wilhelmsplatz ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, an dem viele „sozial geschädigte“ Menschen verweilen. Nostalgische Aufnahmen aus dem Jahr 1926 zeigen den Platz in einem viel ansprechenderen Licht, was bei einigen älteren Cannstattern ein Gefühl der Sehnsucht hervorruft. Jüngere Einwohner jedoch empfinden den Platz als Treffpunkt und schätzen die gute Erreichbarkeit.
Umgestaltungspläne
Der Gemeinderat hat nun endlich eine Entscheidung getroffen: Für die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes wurden 395.700 Euro im Doppelhaushalt 2024/2025 genehmigt. Konkrete Details zur geplanten Umgestaltung sind bislang jedoch noch nicht bekannt. Diese Initiative könnte im Rahmen der neuen Rahmenkonzeption zur sozialen Quartiersentwicklung stehen, die in Stuttgart aktuell erarbeitet wird. Die Pilotphase dieser Konzeption läuft von 2024 bis 2027, bevor sie ab 2028 dauerhaft etabliert werden soll.
Betroffen von diesen Entwicklungen sind verschiedene Akteure, darunter Initiativen, Selbstorganisationen, Vereine und auch Träger der freien Wohlfahrtspflege. Der Stadtteilvernetzer steht dabei im engen Austausch mit der städtischen Sozialplanung, um die zahlreichen Forderungen aus den Stadtteilinitiativen zu berücksichtigen, die beim städtischen Hearing Ende November 2022 eingebracht wurden. Ein weiteres Fachforum zur sozialen Quartiersentwicklung ist für den 04.11.2024 im Rathaus Stuttgart geplant.
Die geplanten Verbesserungen und die umfassende Stadtteilentwicklung könnten nicht nur der Attraktivität des Wilhelmsplatzes zugutekommen, sondern auch dazu beitragen, die sozialen Herausforderungen in Bad Cannstatt langfristig zu verbessern.