In Waiblingen-Beinstein lebt Ozan Encu, ein 21-jähriger junger Mann aus der Türkei, der zur kurdischen Volksgruppe gehört. Ozan ist kein gewöhnlicher Flüchtling; er bringt eine ganz besondere Geschichte mit, die ihn von vielen anderen abhebt. Bei seiner Ankunft in Deutschland hatte er bereits eine Ausbildungsstelle als Maler und Lackierer in Stuttgart-Bad Cannstatt sicher. Ein großer Schritt, um sein Leben in einem neuen Land neu zu gestalten! Doch trotz dieser vielversprechenden Perspektive sieht sich Ozan nun mit der dunklen Wolke einer möglichen Abschiebung konfrontiert – und das mitten in seiner Ausbildung.

Die Situation ist angespannt. Ozan lebt in einer Flüchtlingsunterkunft und hat, wie so viele andere, mit rechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen, die seinen Verbleib in Deutschland infrage stellen. Seine Arbeitgeber sind von ihm begeistert und hoffen inständig, dass er trotz der drohenden Abschiebung bleiben kann. Der Wunsch nach einer Perspektive für Ozan wird immer drängender, besonders da es unklar ist, ob ihm die Ausbildung eine Verlängerung seines Aufenthalts in Deutschland ermöglichen kann.

Bleiberecht für junge Geflüchtete

Im Jahr 2026 fordert die Organisation Pro Asyl ein verbindliches Bleiberecht für junge Geflüchtete wie Ozan, die in Deutschland eine Ausbildung absolvieren. Die Idee ist, dass Abschiebungen während und nach der Ausbildung ausgeschlossen sein sollen. Ein berechtigter Wunsch, bedenkt man die zahlreichen Fälle, in denen Menschen während ihrer Ausbildung oder sogar direkt aus Bildungseinrichtungen heraus abgeschoben wurden. Man könnte meinen, dass die Integration geflüchteter Menschen eine höhere Priorität haben sollte, oder?

Der Frankfurter Rechtsanwalt Jonathan Leuschner berichtet von einer zunehmenden Zahl von Abschiebungen in Hessen. Dort stieg die Zahl im vergangenen Jahr um 17 Prozent. Immer wieder werden Menschen abgeschoben, die aktiv am Arbeitsleben teilnehmen oder eine Ausbildung machen. Ein Beispiel, das Leuschner nennt, ist eine Frau, die in drei Jobs arbeitet und nie straffällig geworden ist. In früheren Zeiten hätte sie wahrscheinlich eine Duldung erhalten; heute wird sie jedoch einfach abgeschoben. Das ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Unternehmen, die in diese Menschen investiert haben, ein großer Verlust.

Rechtliche Unsicherheiten und Duldung

Die Situation für Ozan spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Rund 187.500 Menschen leben in Deutschland mit einer Duldung, oft ohne Aussicht auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Diese Duldungen werden häufig nur für kurze Zeiträume verlängert, was die Planungssicherheit für Arbeitgeber und Betroffene erheblich einschränkt. Arbeitgeber riskieren, dass ihre engagierten Mitarbeiter und Auszubildenden plötzlich nicht mehr da sind. Das kann nicht nur zu einem Verlust an Fachkräften führen, sondern auch zu Unsicherheiten und Ängsten für die Betroffenen selbst.

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Die Bundesregierung plant zwar, den Zugang zum Arbeitsmarkt für Geflüchtete zu erleichtern und das Arbeitsverbot nach drei Monaten aufzuheben, doch viele sind skeptisch, ob das in der Praxis wirklich so einfach sein wird. Für viele bleibt die Unsicherheit über ihren Aufenthaltsstatus und die Frage, ob sie in Deutschland bleiben dürfen, eine ständige Belastung.

In der aktuellen politischen Diskussion gibt es Bestrebungen, ein dauerhaftes Bleiberecht für gut integrierte Geduldete zu schaffen. Die SPD hat ein migrationspolitisches Positionspapier verabschiedet, das genau dies fordert. Kriterien wie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Deutschkenntnisse und eine positive Integrationsprognose sollen dabei eine Rolle spielen. Aber die Diskussion bleibt kontrovers – insbesondere mit Widerstand von Seiten der CSU, die auf der konsequenten Durchsetzung von Ausreisepflichten besteht.

Für Ozan und viele andere ist die Zeit drängend. Die Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft in Deutschland ist stark, doch die rechtlichen Hürden scheinen oft unüberwindbar. Es bleibt abzuwarten, ob die politische Landschaft sich so wandelt, dass Menschen wie Ozan, die sich eine Zukunft aufbauen wollen, endlich die Sicherheit erhalten, die sie verdienen.