Neues Leben für alte Mauern: Kirchen in Stuttgart suchen kreative Lösungen für ihre Zukunft
In Stuttgart und der Umgebung tut sich was! Die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Evangelische Landeskirche in Württemberg stehen vor einer Herausforderung, die viele Gemeinden betrifft: Die Mitgliederzahlen sinken, die Kosten steigen und die Gebäude, die man jahrzehntelang genutzt hat, werden immer schwieriger zu halten. Ein Umdenken ist nötig, das haben die Kirchenvertreter erkannt. Und so beginnt ein spannendes Experiment, das weitreichende Folgen für die Region haben könnte.
Beim ersten regionalen Treffen in Heilbronn, dem Auftakt eines landesweiten Dialogs, haben sich Kirchenvertreter und Kommunen aus Heilbronn, Ludwigsburg und dem Enzkreis zusammengefunden. Man spricht über die Zukunft kirchlicher Gebäude und deren alternative Nutzungen. Das Ziel ist klar: Bis 2040 sollen die kirchlichen Gebäude klimaneutral sein. Der Plan sieht vor, nicht nur die Anzahl der Gebäude zu reduzieren, sondern auch neue, sinnvolle Nutzungen zu finden. Besonders gefragt sind neue Ideen für Gemeinde- und Pfarrhäuser. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Bedürfnisse der Menschen.
Neues Leben für alte Mauern
Die Diskussion über die Zukunft kirchlicher Immobilien wird immer dringender. In Neckarsulm, zum Beispiel, wird ein evangelisches Gemeindehaus abgerissen – nicht, weil es nicht mehr gebraucht wird, sondern weil der Platz für ein inklusives Wohnprojekt für Menschen mit Behinderungen weichen soll. Barrierefreie Wohnungen, die im Frühjahr bezogen werden sollen, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die katholische Gemeinde dort plant ebenfalls, ihren Raumbestand an die gesunkenen Mitgliederzahlen anzupassen. Ein weiteres katholisches Gemeindehaus soll verkauft werden, um Platz für eine Senioreneinrichtung zu schaffen. Hier spiegelt sich das große Ziel wider, die Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern sie auch in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.
Doch nicht nur in Neckarsulm wird umgedacht. Die Evangelische Landeskirche hat das Programm „OIKOS“ ins Leben gerufen, während die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit „Räume für eine Kirche der Zukunft“ an die gleiche Vision anknüpft. Fast 6.000 Gebäude sind betroffen – da ist eine Reduzierung um ein Drittel geplant! Und das betrifft größtenteils die nicht sakralen Gebäude wie Gemeinde- und Pfarrhäuser oder Kindergärten. Wenn man bedenkt, dass die jährlichen Betriebskosten für eine Kirche bei etwa 26.500 Euro liegen, wird deutlich, dass hier ein enormer Druck auf den Kirchen lastet. Viele Gemeinden sind gezwungen, sich von ihren Gebäuden zu trennen oder neue Ideen zu entwickeln.
Kreative Lösungen in der Praxis
Das Land ist voll von inspirierenden Beispielen, wie Kirchen und Gemeindezentren umgenutzt werden können. In Bad Orb beispielsweise wurde eine frühere Kirche zur „Boulder Church“ umgebaut – eine Kletterhalle, die Kinder und Erwachsene begeistert. Was für eine spannende Idee! Die angrenzende Kapelle bleibt jedoch geweiht und wird weiterhin für Gottesdienste genutzt. Ähnlich verhält es sich in Bernkastel-Wehlen, wo eine Kirche in einen Veranstaltungsort für Familientreffen und Firmenfeiern umgewandelt wurde. Da wird es nie langweilig, und die Gemeinschaft bleibt bestehen. Immer mehr Kirchengemeinden setzen auf solche kreativen Lösungen. Der finanzielle Druck ist hoch, und die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen, wird immer deutlicher.
Die Realität zeigt, dass die Kirchen seit Jahren Mitglieder verlieren – von etwa 57 Millionen in den 1990er-Jahren zu rund 39 Millionen heute. Die Austritte und die demografische Entwicklung setzen dem Ganzen zu. In den kommenden Jahrzehnten könnte die Zahl der Kirchensteuerzahler auf etwa 23 Millionen sinken. Und das hat unvermeidliche Konsequenzen für den Gebäudebestand. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat mit einer speziellen Plattform, Kirchengrundstuecke.de, begonnen, ungenutzte Pfarrhäuser und Kirchen zum Verkauf anzubieten. Ein Schritt, der zwar schmerzhaft ist, aber notwendig erscheint. Verkaufsdruck ist da, und die Kirchen müssen kreativ werden, um ihre Werte auch in Zukunft zu bewahren.
Insgesamt – so viel steht fest – wird es eine spannende Zeit für die Kirchen in Stuttgart und darüber hinaus. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Wege beschritten werden und wie sich die Gemeinden auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Eines ist jedoch sicher: Die Kirche hat mit ihren Herausforderungen zu kämpfen, aber in der Not findet man oft die besten Lösungen. Und das ist es, was uns Hoffnung gibt.
