In der St. Johanneskirche in Nürtingen ging es am vergangenen Samstag richtig zur Sache! Das Abschlusskonzert der Nürtinger Orgeltage 2026 war nicht nur ein musikalisches Ereignis, sondern ein Fest der Klänge, das die Besucher in seinen Bann zog. Die ehrwürdigen Wände der Kirche schienen die Töne zu umarmen, während die Zuschauer gebannt lauschten.

Die beiden Nürtinger Kantoren und Orgelvirtuosen Hanzo Kim und Andreas Kaiser waren die Meister am Spieltisch. Hanzo Kim, der Bezirkskantor, entführte die Zuhörer mit den drei Orgelsonaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy in eine andere Welt. Diese Sonaten, die 1845 veröffentlicht wurden, gehören zum Kernrepertoire der Orgelmusik und sind ein echtes Highlight in der Orgel-Literatur. Man konnte fast spüren, wie die Melodien durch die Luft schwebten und die Herzen der Zuhörer berührten.

Mendelssohns Meisterwerk

Felix Mendelssohn, ein angesehener Organist und Komponist, hinterließ mit seinen sechs Orgelsonaten ein Erbe, das bis heute in den Kirchen und Konzertsälen der Welt zu hören ist. Die Stücke, die als Höhepunkt seines Orgelwerks gelten, zeigen, wie er die Gattungen der Klavier- und Orgelmusik voneinander trennte. Nach Bach war er der erste international bedeutende Komponist, der sich wieder intensiv mit der Orgel beschäftigte. Mendelssohns kreative Schaffenskraft war bemerkenswert, und das Abschlusskonzert in Nürtingen war ein perfektes Beispiel dafür.

Die Sonaten, die Hanzo Kim vortrug, wurden nicht nur für ihre technische Brillanz geschätzt, sondern auch für die emotionalen Tiefen, die sie transportieren. Besonders die Sonate Nr. 3 in A-Dur, die auf dem Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ basiert, berührte die Anwesenden. Man konnte sich geradezu vorstellen, wie Mendelssohn selbst 1844 in Frankfurt an diesen wunderbaren Stücken arbeitete – mit Leidenschaft und Hingabe.

Klangliche Vielfalt und historische Bezüge

Die Orgel, auf der die Sonaten gespielt wurden, war ein wahres Klangwunder. Mendelssohns Werke nutzen die klanglichen Möglichkeiten, die die Orgeln des 19. Jahrhunderts boten. Zwei Manuale ermöglichten dynamische Abstufungen und Crescendi, die das Publikum in ihren Bann zogen. Manchmal schien es, als ob die Musik selbst einen Dialog mit den Wänden der St. Johanneskirche führte – ein wunderschönes Zusammenspiel aus Klang und Raum.

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Die Sonaten tragen auch eine tiefe Verbindung zur evangelischen Musiktradition. Zum Beispiel spielt der Choral „Vater unser im Himmelreich“ eine wichtige Rolle in der letzten Sonate. Mendelssohns Fähigkeit, historische Vorbilder mit seinem eigenen romantischen Stil zu verbinden, machte diese Werke zeitlos. Es ist kein Wunder, dass die Sonaten nicht nur das Kernrepertoire vieler Organisten ausmachen, sondern auch als Brücke zwischen Barock und Romantik angesehen werden.

So fand das Abschlusskonzert der Nürtinger Orgeltage 2026 einen würdigen Rahmen. Mit einer Vielzahl von Zuhörerinnen und Zuhörern, die die Klänge der Orgel genossen, wird dieses Event wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Vielleicht war es auch ein kleiner Vorgeschmack auf die nächsten Orgeltage, die sicherlich ebenso inspirierend sein werden.