Teufelsfigur in Esslingen entfacht hitzige Debatten und Morddrohungen
In Esslingen am Neckar brodelt es gewaltig. Eine neue Bronze-Teufelsfigur, die vor zwei Wochen vor dem Rathaus feierlich enthüllt wurde, sorgt für hitzige Debatten und lässt die Wogen in der Stadt hochgehen. Was als Geschenk einer Esslinger Sektkellerei zum 1250-jährigen Bestehen gedacht war, hat sich schnell zu einem Zankapfel entwickelt. Der Künstler Tim Bengel setzte mit seiner Skulptur eine alte Esslinger Sage in Szene, die besagt, dass der Teufel einst auf dem Markt einen Apfel kaufen wollte, aber stattdessen von einer Marktfrau eine rote Zwiebel verkauft bekam. Nach einem wütenden Biss in die Zwiebel verfluchte er die Esslinger als „Zwieblinger“ und verschwand. Ein Spitzname, der bis heute geblieben ist und jetzt durch die neue Statue in Frage gestellt wird.
Die Figur selbst – mit Hörnern, spitzen Zähnen und einem Pferdefuß – hat die Gemüter erregt. Über 5600 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, die die Entfernung der Statue fordert. Die Reaktionen reichen von Empörung bis hin zu konkreten Drohungen, die sogar bis zu Mordaufrufen gegen den Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) führen. Die Polizei und der Staatsschutz sind mittlerweile mit Ermittlungen beschäftigt und nehmen auch Bedrohungen gegen Leib und Leben ernst. Bislang gibt es jedoch keinen Tatverdächtigen. Ein durchaus beunruhigendes Klima für eine Stadt, die von ihren Traditionen und Sagen lebt.
Einblicke in die Gemüter der Bürger
Die Stadtverwaltung hat bereits Strafanzeigen angekündigt. Es ist nicht nur ein Künstler, der hier im Rampenlicht steht. Es sind auch die Werte und Überzeugungen der Bürger, die mit dieser Statue in Frage gestellt werden. Während die Evangelische Landeskirche betont, dass von der Figur keine Bedrohung für den christlichen Glauben ausgeht, gibt es viele, die dies anders sehen. Andreas Oelze, der Weltanschauungsbeauftragte, hat klar gemacht, dass man die Statue kritisieren kann, aber eine spirituelle Überhöhung oder Angst vor ihr nicht notwendig sei. Das lässt einen schon ein wenig nachdenklich zurück. Was ist es, das Menschen so aufbringt?
Die Diskussion um die Teufelsfigur zeigt einmal mehr, wie tief die Emotionen in der Bevölkerung verankert sind. Die alte steinerne Teufelsfigur an der Frauenkirche hat über Jahrhunderte hinweg für Identität gesorgt, während die neue Statue als Provokation empfunden wird. Ein Zwiebelkrieg zwischen Tradition und Moderne? Die Stadt hat beschlossen, die Statue trotz aller Kritik stehen zu lassen und verweist auf die Zustimmung, die sie ebenfalls erhalten hat. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Ein städtisches Denkmal, das nicht nur Bronze, sondern auch die Gemüter erhitzt. Irgendwie spannend und beunruhigend zugleich.
