Zukunft der Stuttgarter Oper: Expertenkommission diskutiert Sanierung oder Neubau
Heute ist der 4. November 2026, und in Stuttgart brodelt es mal wieder. Die Stuttgarter Oper, der stolze Littmann-Bau aus dem Jahr 1912, steht im Mittelpunkt einer spannenden Debatte. Der historische Bau, der seit über einem Jahrhundert als kulturelles Herzstück fungiert, ist in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Sanierung. Doch die Frage, wie es weitergeht, wirft viele Fragen auf – und das nicht nur unter den Opernliebhabern der Stadt.
Eine Expertenkommission tritt heute erstmals zusammen, um die Zukunft der Stuttgarter Oper zu bewerten. Ein riesiges Projekt steht an, und die geschätzten Kosten belaufen sich auf etwa zwei Milliarden Euro. Ein Betrag, den die CDU-Landtagsfraktion unter den aktuellen finanziellen Bedingungen für nicht tragfähig hält. Ministerpräsident Cem Özdemir von den Grünen und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper von der CDU schlagen daher eine ergebnisoffene Überprüfung der bisherigen Pläne und Alternativen vor. Ein kluger Schritt, um alle Perspektiven zu beleuchten und vielleicht auch eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.
Die Pläne: Sanierung oder Neubau?
Im Moment gibt es ein dreiteiliges Projekt, das die Modernisierung des Littmann-Baus, den Bau einer Interimsspielstätte und ein Kulissenlager umfasst. Letzteres wird auf rund 130 Millionen Euro geschätzt, während für die Interimsspielstätte etwa 290 Millionen Euro eingeplant sind. Doch wie es bei großen Projekten oft der Fall ist, gibt es viele Meinungen. Kritiker rechnen mit einer Sanierung, die mindestens eine Milliarde Euro kosten könnte – und das könnte noch deutlich höher ausfallen. Eine offizielle Kostenschätzung für die Sanierung selbst steht bislang noch aus.
Im Raum stehen zwei Varianten: Die CDU fordert eine Prüfung eines Opernneubaus an einem anderen Standort. Während dieser Prüfung sollen keine weiteren Aufträge vergeben werden. Das klingt ja nach einer spannenden Möglichkeit, aber die Ungewissheit über Standort, Kosten und Nutzung des Littmann-Baus bleibt. Alternativ könnte man die Sanierung und Erweiterung im laufenden Betrieb vorantreiben, wobei sich die Frage stellt, ob Oper und Ballett unter den Bauarbeiten überhaupt weiterarbeiten können. Die Bedenken sind berechtigt, und die Diskussion darüber ist lebhaft.
Die Expertenkommission und ihre Herausforderungen
Die Kommission, unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, setzt sich aus einer bunten Mischung von Architekten, Bauingenieuren, Immobilienfachleuten und Experten für Opernsanierungen zusammen. Unter den Mitgliedern sind prominente Namen wie die frühere Rektorin der Stuttgarter Musikhochschule, Regula Rapp, und Christoph Niethammer, Geschäftsführer von ProWST. Es ist eine bunte Truppe, die sich den Herausforderungen stellen wird. Das erste Treffen hat das Ziel, die verschiedenen Positionen sowie die technischen, kulturpolitischen und architektonischen Vor- und Nachteile der Varianten zu diskutieren.
Doch nicht alle sind von der Kommission überzeugt. Der Präsident der Architektenkammer, Müller, äußert Kritik. Seiner Meinung nach wurden die Varianten und Informationen bereits ausführlich erörtert, und weitere Anhörungen könnten nur die Entscheidung hinauszögern. Auch die SPD-Landtagsfraktion ist skeptisch. Ihr Fraktionschef Sascha Binder sieht es als notwendig an, die bisherigen Varianten miteinander zu vergleichen, anstatt alle Grundlagen erneut zu durchleuchten. Die Zeit drängt, und der parallel laufende Architektenwettbewerb könnte eine grundlegende Änderung des Projekts erschweren.
Ein gemeinsames Ziel: Zukunft der Staatstheater
Am 14. September 2026 wurde bei einem Spitzengespräch zwischen Özdemir, Nopper und Kunstministerin Petra Olschowski die ergebnisoffene Expertenanhörung zur Sanierung und Erneuerung der Württembergischen Staatstheater vereinbart. Ziel ist es, eine tragfähige gemeinsame Entscheidung zu finden, die von allen politischen Akteuren getragen wird. Die Stadt und das Land betonen ihre Verantwortung für eine moderne, zukunfts- und arbeitsfähige Spielstätte.
Die Neubewertung des Gesamtprojekts soll ohne maßgebliche Verzögerungen erfolgen, während die Arbeiten an der bestehenden Planung und die Sicherung des Spielbetriebs fortgesetzt werden. Ein hehres Ziel, und es bleibt abzuwarten, ob dies auch tatsächlich gelingt.
Die Oper Stuttgart, die im neoklassizistischen Stil von Max Littmann erbaut wurde, hat sich einen Platz im Herzen der Kulturwelt erobert. Doch wie wird die Zukunft aussehen? Die kommenden Monate werden entscheidend sein, und die Stuttgarter Kulturfreunde dürfen gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln.
