Zukunft der Gesundheitsversorgung in Wangen: Millioneninvestitionen und Debatten um die Oberschwabenklinik
In Wangen steht die Gesundheitsversorgung vor einem entscheidenden Wendepunkt. Der Ravensburger Kreistag hat einstimmig beschlossen, Millionen in die Krankenhäuser der Oberschwabenklinik (OSK) zu investieren. Diese Entscheidung ist jedoch nur der Anfang einer vielschichtigen Diskussion über die Zukunft der kommunalen Kliniken. Privatisierung, externe Geschäftsführungen und der Fortbestand der kommunalen Trägerschaft sind nur einige der Themen, die jetzt auf dem Tisch liegen.
Die Debatte wurde durch einen internen Streit über die Tagesordnung einer Kreistagsklausur angestoßen, bei der ein ergebnisoffener Diskurs gefordert wurde. SPD-Chef Rudolf Bindig warnt, dass private Klinikkonzerne bereits ein Auge auf die OSK geworfen haben. In einer Zeit, in der die ambulante Gynäkologie im Westallgäu-Klinikum Wangen aufgrund steigender Behandlungszahlen ausgebaut werden soll, wird klar, wie wichtig es ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Investitionen in die Zukunft
Im Westallgäu-Klinikum Wangen sollen die Behandlungsräume von zwei auf vier verdoppelt werden, um den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden. Die Schließung des Krankenhauses in Tettnang hat die Situation zusätzlich verschärft. Für diese Erweiterung sind rund 950.000 Euro veranschlagt, und der Baubeginn ist für Dezember 2026 geplant, während die Inbetriebnahme für Mai 2027 anvisiert wird. Dazu kommen weitere technische Sanierungen, die insgesamt etwa 3,8 Millionen Euro kosten werden. Langfristig wird sogar eine hohe zweistellige Millionensumme für die umfassende Modernisierung des Standorts eingeplant.
Aber auch das St.-Elisabethen-Klinikum in Ravensburg steht vor einer Herausforderung. Hier wird ein Anstieg der behandelten Patienten in der Zentralen Notaufnahme von 46.000 im Jahr 2025 auf voraussichtlich 52.000 im Jahr 2026 erwartet. Das führt dazu, dass die vorhandenen Kapazitäten zeitweise deutlich überschritten werden. Um dem entgegenzuwirken, wird ein integriertes Notfallzentrum geplant, das 22 zusätzliche Untersuchungs- und Beobachtungsplätze schaffen soll. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 3,9 Millionen Euro und die Fertigstellung ist für Dezember 2027 vorgesehen. Weitere Modernisierungen könnten zwischen 2028 und 2032 weitere 20 Millionen Euro kosten.
Strategische Neuausrichtung der OSK
Die Zukunft der OSK ist nach der gescheiterten Übernahme des Medizin-Campus-Bodensee alles andere als klar. Landrat Harald Sievers beschreibt die Krankenhauslandschaft als schwierig, besonders nach dem sogenannten Spargesetz. Eine Kooperation mit dem privaten Klinikbetreiber AMEOS in Friedrichshafen oder eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis Lindau könnten mögliche Lösungsansätze sein. „Wir müssen die gesamte Versorgungskette im Blick haben“, betont Anna Wiech von den Grünen, die auch im OSK-Aufsichtsrat sitzt. Ein sachlicher und fundierter Diskurs ist hier unerlässlich.
Antje Rommelspacher von der CDU sieht die stationäre und ambulante Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund und hält eine Kooperation mit AMEOS für sinnvoll – allerdings nicht auf Kosten der OSK. Dabei wird die Frage nach der Privatisierung der OSK immer drängender. August Schuler, ebenfalls CDU, lehnt eine Privatisierung entschieden ab und betont die hohe medizinische Qualität der OSK. „Die Menschen vertrauen uns“, sagt er, und dieser Vertrauensvorschuss muss erhalten bleiben.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Die Diskussion um die Zukunft der OSK wird in den kommenden Monaten intensiv weitergeführt. Der Entscheidungsprozess beginnt bereits im Januar, gefolgt von Klausurtagungen und Ausschusssitzungen. Bis dahin sind die Mitglieder des Kreistags und der Aufsichtsräte gefordert, um tragfähige Lösungen für die Krankenhausversorgung der Region zu finden. Die Kreisverwaltung wird den SPD-Antrag als Anstoß für das Programm der Klausurtagungen nutzen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.
In dieser Zeit der Unsicherheit und der Neuorientierung bleibt eines klar: Die Gesundheitsversorgung in der Region ist ein Thema, das alle betrifft. Die Menschen in Wangen und Umgebung hoffen auf Lösungen, die nicht nur kurzfristig greifen, sondern auch langfristig tragfähig sind. Die nächsten Monate werden entscheidend sein, um den Kurs für die OSK und damit für die medizinische Versorgung im gesamten Landkreis Ravensburg zu bestimmen.
