Mercedes-Benz im Umbruch: Kampf um Effizienz und Vertrauen in Untertürkheim
In Untertürkheim, wo die Maschinen surren und der Geruch von frischem Metall in der Luft liegt, brodelt es zurzeit gewaltig bei Mercedes-Benz. Die einst so stolze Marke kämpft mit sinkenden Gewinnen und einem wachsenden Unmut in der Belegschaft. Bei einem IG-Metall-Protesttag Mitte September war die Stimmung angespannt. Michael Häberle, der Betriebsratschef des Komponentenwerks, meldete sich zu Wort und ließ keinen Zweifel daran, dass die Lage nicht einfach ist: „Mercedes ist zu teuer“, rief er, und das Echo der Belegschaft war unüberhörbar – Buh-Rufe hallten durch die Luft. Die Unzufriedenheit ist greifbar, und Konzernchef Ola Källenius sieht sich mit Rufen wie „Ola raus“ konfrontiert. Was ist da los?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im zweiten Quartal lag die Umsatzrendite der Autosparte bei mageren 0,2 Prozent. Von Januar bis September brach der Pkw-Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf nur 1,24 Millionen Fahrzeuge ein. Da fragt man sich: Wie geht es weiter? Mercedes hat einen Plan – einen strukturellen Umbau, der mehr sein soll als nur ein Lippenbekenntnis. Das Baukastenprinzip steht im Mittelpunkt, bei dem künftige Modelle aus variablen Modulen für Front, Heck, Seiten und Boden bestehen sollen. Ein mutiger Schritt, der in der Branche als Befreiungsschlag gefeiert wird.
Ein Blick in die Zukunft
Das Management hat große Visionen: In den 2030er-Jahren soll eine neue Produktarchitektur auf den Markt kommen, die eine Modularisierung der Produktion vorsieht. Die Idee dahinter? Effizienz steigern, Kosten senken und die Produktion beschleunigen! Künftig werden Front-, Heck-, Seiten- und Bodenteile in separate Module zerlegt – so können verschiedene Fahrzeuggrößen ohne eigene Produktionsplattform gebaut werden. Die Module werden je nach Fahrzeuggröße zusammengestellt, was eine enorme Flexibilität verspricht. Intern wird dieses Konzept als „Tech-Stacks“ bezeichnet, ein Begriff, der die Ambitionen von Mercedes unterstreicht.
Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte zwar, dass daran gearbeitet wird, aber konkrete Details bleiben im Nebel der Ungewissheit. Dennoch ist klar, dass Mercedes sich an den modularen Produktionsstrukturen orientiert, die bereits von Tesla und vielen chinesischen Herstellern genutzt werden. Auch Stellantis setzt auf eine Einheitsplattform, die Fahrzeuge unterschiedlicher Größen und Antriebsarten miteinander verbindet. Mercedes könnte also nicht nur interne Strukturen optimieren, sondern auch im Wettbewerb mit anderen Herstellern aufholen.
Der Weg ist steinig
Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Der Umbau wird Jahre in Anspruch nehmen, und der Erfolg hängt maßgeblich von der Umsetzung in den Werken und den kommenden Modellgenerationen ab. Mehrere Tausend Leiharbeiter sollen das Unternehmen verlassen, und Teile der Produktion könnten ins Ausland verlagert werden. Gleichzeitig wird von den Beschäftigten verlangt, mehr zu arbeiten, ohne dass sich an der Bezahlung etwas ändert. Das sorgt natürlich für Unruhe und Fragen. Wie wird der Betriebsrat, der im Aufsichtsrat vertreten ist, auf diese weitreichenden Einschnitte reagieren?
Die Produktion selbst steht vor einer grundlegenden Umstellung. Derzeit fertigt Mercedes Fahrzeuge auf mehreren technischen Architekturen – vom kompakten CLA bis zum leistungsstarken AMG-Elektrofahrzeug. Der Baukasten könnte eine Lösung bieten, um die Zahl der unterschiedlichen Plattformen zu reduzieren und die Produktionsabläufe zu vereinheitlichen. Möglichkeiten, die Entwicklung, den Einkauf und die Umrüstung der Produktionslinien vereinfachen könnten, bieten sich an. Was für ein spannendes, aber auch herausforderndes Unterfangen!
Und während Mercedes auf die Zukunft setzt, wird der Druck, schnell zu handeln, immer größer. Bis etwa 2028 sollen mehr als 40 neue Modelle auf den Markt kommen, für die mehr als zwei Milliarden Euro in europäische Werke investiert wurden. Die Zeit drängt, und die Frage bleibt: Schafft es Mercedes, das Vertrauen der Belegschaft zurückzugewinnen und in der hart umkämpften Automobilbranche wieder an die Spitze zu gelangen?
