Die Region Stuttgart steht vor einer Hitzewelle, die in den kommenden Tagen Temperaturen über 30 Grad mit sich bringen wird. Dies ist Teil eines Trends, der sich in ganz Baden-Württemberg zeigt. Jörn Birkmann, Professor für Stadtentwicklung und Raumplanung an der Universität Stuttgart, untersucht die Anpassungen, die Städte an den zunehmenden Hitzestress vornehmen müssen. Laut einem Bericht von SWR wird prognostiziert, dass die Temperaturen bis 2050 auf zwischen 35 und 40 Grad ansteigen könnten, abhängig von den Maßnahmen zum Klimaschutz.
Die Anzahl heißer Tage in Baden-Württemberg hat zwischen 1990 und 2019 um 16 bis 20 Tage pro Jahr zugenommen, wobei in einigen Städten sogar bis zu 24 zusätzliche heiße Tage verzeichnet wurden. Etwa ein Viertel der städtischen Fläche wird bereits als stark thermisch belastet wahrgenommen, mit empfundene Temperaturen zwischen 35 und 41 Grad. Die Städte sind daher gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um den Bürgerinnen und Bürgern Erleichterungen zu bieten.
Hitzeschutzmaßnahmen in den Städten
In Stuttgart wurden bereits seit einem Monat neue Sonnenschirme aufgestellt, um den Menschen Schatten zu spenden. Professor Birkmann fordert jedoch, dass mehr kühle und öffentlich zugängliche Orte in den Innenstädten geschaffen werden sollten. Er sieht das Beispiel der Umgestaltung des Arsenalplatzes in Ludwigsburg als positives Modell für eine klimaangepasste Stadtgestaltung. Ludwigsburg hat zudem einen Hitzeaktionsplan implementiert, der Maßnahmen wie eine “Cool Map” und die Einführung von Hitzewarnstufen umfasst, um die Bürger über hohe Temperaturen zu informieren.
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen betont die Notwendigkeit, dass Stadtentwicklung und Bauwesen sich an den Klimawandel anpassen. Kommunen erweitern daher städtisches Grün, pflanzen Bäume und sorgen für eine Verbesserung des Wasserrückhalts sowie der Verschattung. Die Bauherren sind gefordert, hitzeangepasstes Bauen zu realisieren, einschließlich Dach- und Fassadengrün.
Die Herausforderungen der urbanen Hitze
Die Herausforderungen für die Städte sind angesichts des Wohnungsmarktes und einer dichteren Bauweise besonders groß. Diese Faktoren erschweren die Frischluftzufuhr und tragen zu einer weiteren Hitzebelastung bei. Besonders gefährdet in dieser Situation sind vulnerable Gruppen wie Kinder, alte Menschen, Schwangere und chronisch Kranke, die unter den hohen Temperaturen leiden können.
Die Hitzeschutzstrategie ist in verschiedenen städtischen Planungen verankert. Die Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2.0 thematisiert Ziele und Maßnahmen, die für mehr städtisches Grün und eine wassersensible Stadtentwicklung sorgen sollen. Eine gute Vernetzung der Grünflächen ist dabei von zentraler Bedeutung, um den Kaltlufthaushalt zu unterstützen.
Die dringliche Notwendigkeit für mehr attraktive und kühle Innenstädte wird durch einen demografischen Wandel verstärkt, da die Bevölkerung einer alternden Gesellschaft zunehmend angehören wird. Professor Birkmann selbst gibt zu, dass er beim Kauf einer Immobilie in Stuttgart auf die Verfügbarkeit von kühler, frischer Luft achten würde, was die Bedeutung des Themas unterstreicht.