Richard III. – Macht, Intrigen und die dunkle Seite der Seele am Schauspiel Stuttgart
Richard III. – ein Name, der in der Geschichte und der Literatur für Machtgier und Intrigen steht. Am Schauspiel Stuttgart wird William Shakespeares Klassiker unter der Regie von Andreas Kriegenburg neu interpretiert. Richard, Herzog von Gloucester, strebt nach dem Thron Englands, während sein Bruder Edward gerade die Herrschaft angetreten hat. Mit einem Mix aus Intelligenz, Täuschung und politischen Machenschaften geht Richard auf die Jagd nach Macht und lässt dabei keine Mittel ungenutzt. Mord, Manipulation und sogar das Heiraten von Lady Anne, die um ihren verstorbenen Mann trauert, stehen auf der Tagesordnung. Ein wahrhaft teuflisches Spiel!
Max Simonischek schlüpft in die Rolle des Richard mit einer körperlichen Präsenz, die das Publikum sofort in ihren Bann zieht. Sein Spiel ist alles andere als zurückhaltend – der Buckel, die Verkrampfung und die körperlichen Schmerzen werden betont, während Richard als das offene, monströse Böse auftritt, das seine finsteren Taten nicht verheimlicht. Kriegenburg hat es verstanden, die Frauenfiguren des Stücks, die oft im Schatten der männlichen Protagonisten stehen, in den Vordergrund zu rücken. Josephine Köhler als Königin Elisabeth bringt eine moralische Entschlossenheit mit, die in starkem Kontrast zu Richards skrupellosem Handeln steht.
Ein Spiel zwischen Tragik und Komik
Die Inszenierung verbindet Tragödie mit komischen Elementen, was zu einer spannenden Dynamik führt. Richard, der mit seiner lockeren Sprache und schlaksigen Bewegungen über seine präzisen Pläne hinwegtäuscht, bringt das Publikum immer wieder zum Schmunzeln – selbst wenn er mit vulgären Sprüchen wie „Fuck“ oder „Vorhautzutzler“ um sich wirft. Dabei wird das Böse nicht nur als schrecklich, sondern auch als verführerisch und unterhaltsam dargestellt. Diese Mischung sorgt dafür, dass das Publikum manchmal die grausamen Morde, die Richard begeht, aus dem Blick verliert.
Das Bühnenbild von Harald B. Thor ist sowohl imposant als auch schlicht. Mit einem Saal, der durch Kronleuchter und Türen geprägt ist, wird eine Atmosphäre geschaffen, die Raum für die düsteren Machenschaften lässt. Die wenigen Requisiten – darunter eine goldene Krone und eine reich gedeckte Tafel – unterstreichen die Kargheit und das Machtspiel, das sich auf der Bühne entfaltet. Der zentrale Kleider- oder möglicherweise Leichenberg bleibt dabei mehrdeutig und regt zum Nachdenken an.
Die Tragödie eines Machtmenschen
Richard III. zeigt sich nicht nur als historisches, sondern auch als faszinierendes Tragödienbild. Hinter seinem Machtstreben versteckt sich ein ausgeklügeltes politisches Kalkül, das von einer tief verstörten Seele geprägt ist. Er ist ein Stratege, ein Verführer und ein Mörder. Das Stück thematisiert die Frage, ob unmoralisches Handeln für den Machterhalt gerechtfertigt werden kann, und beleuchtet die Anziehungskraft autoritärer Strategien. Am Ende, als Richard an einem Tisch mit Zinnsoldaten und einem Miniaturpferd steht, wird er zur tragischen Figur. Er hält das Pferd, das er für seine Herrschaft benötigt, nur als kleines Modell in seiner großen Hand, und sein Jammern und Weinen können seinen Untergang nicht verhindern.
Die Premiere von „Richard der Dritte“ findet am 20. Oktober statt, gefolgt von weiteren Aufführungen am 9. und 16. November. Wer sich für die dunkle Seite der Macht und die Abgründe der menschlichen Seele interessiert, sollte sich dieses Stück nicht entgehen lassen. Weitere Informationen gibt es auf schauspiel-stuttgart.de.
