Pfarrer Christian Schmitt, 59 Jahre alt, verlässt nach fünf Jahren den Vorstand des Diözesan-Caritasverbands Münster. Dieser Schritt, der offiziell zum 31. August 2025 vollzogen wird, ist begleitet von dem Wunsch Schmitts, wieder in die Seelsorge zurückzukehren. Informationen über Schmitts künftige Aufgaben sind bislang vom Bistum Münster nicht bekannt gegeben worden. Nachfolger für Schmitt steht zurzeit noch nicht fest, doch die Suche erfolgt in Abstimmung mit dem Bistum Münster. Laut Satzung muss dabei ein neuer katholischer Priester ausgewählt werden, da die anderen Vorstandsmitglieder Pia Stapel und Dominique Hopfenzitz keine Priester sind. Der Nachfolger wird vom Caritasrat eingesetzt, der aus sechs Mitgliedern besteht: drei Vertretern der Orts-Caritasverbände und drei weiteren Mitgliedern des Diözesan-Caritasverbands.
In seiner Abschiedspredigt betonte Schmitt die Wichtigkeit des direkten Kontakts zu den Menschen für die Arbeit der Caritas. Dabei warnte er vor einem potenziellen Kulturwandel am Lebensende infolge der Legalisierung des assistierten Suizids und appellierte dafür, dass alte und kranke Menschen ermutigt werden sollten, trotz ihrer Beeinträchtigungen zu leben. Antonius Hamers, Diözesan-Administrator, würdigte Schmitts theologisches Verständnis und seine Sensibilität für gesellschaftliche Entwicklungen. Pia Stapel, die Vorstandsvorsitzende, nannte das Engagement Schmitts eine „Herzensangelegenheit“. Auch der Vorsitzende des Caritasrats, Thomas Schlickum, lobte Schmitts persönliches und strategisches Engagement.
Wachsender Einfluss der Caritas-Mitarbeitenden
Die Caritas im Bistum Münster plant, ihren Mitarbeitenden – insgesamt rund 80.000 haupt- und 30.000 ehrenamtlichen Kräften – eine wichtigere Rolle in den kommenden pastoralen Räumen zuzuweisen. Dr. Klaus Winterkamp, Generalvikar, machte die Delegiertenversammlung des Diözesancaritasverbandes auf die Notwendigkeit von engerer Zusammenarbeit aufmerksam. Diese Zusammenarbeit sei besonders wichtig, da die Zahl der Katholiken sowie der Priester und Pastoralreferenten voraussichtlich aufgrund demographischer Veränderungen und der wachsenden Distanz zur Kirche zurückgehen werde.
Insgesamt sollen im Bistum Münster 40 bis 50 pastorale Räume entstehen, in denen alle katholischen Akteure kooperieren sollen. Bereits im ersten Jahr der Pandemie wurden schnelle Entscheidungen getroffen, die sich als effektiv erwiesen haben, wie Pfarrer Ulrich Messing, der Vorsitzende des Verwaltungsrats, berichtete. Die Einsparungen aus Sach- und Tagungskosten werden in den Ausbau von hybriden Veranstaltungsräumen sowie in IT investiert.
Die Pläne zur Erweiterung und zum Umbau der Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes werden ebenfalls überarbeitet, da sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Mit dem Anstieg von Homeoffice wird auch weniger Bürofläche benötigt. Zudem hat die Caritas zwei Kandidaten für die Nachfolge des im Juni 2022 in den Ruhestand gehenden Diözesancaritasdirektors gefunden; die Wahl dieser Kandidaten wird auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung am 19. November stattfinden.
Schmitts Abschied und die damit einhergehenden Veränderungen in der Caritas reflektieren nicht nur seine persönliche Entscheidung, sondern auch die sich kontinuierlich wandelnde Landschaft der katholischen Kirche im Bistum Münster, die durch den demographischen Wandel und gesellschaftliche Entwicklungen geprägt ist. Kirche und Leben berichtet über die tiefgreifenden Veränderungen und Herausforderungen, die die Caritas und ihre Mitarbeitenden in den kommenden Jahren erwarten.
Zusammen mit der geplanten Umstrukturierung wird die Caritas in den neuen pastoralen Räumen auch an der Begleitung Menschen mit Suizidgedanken arbeiten, während sie aktiv daran partizipieren will, dass die Umsetzung eines assistierten Suizids nicht im Einklang mit ihren Prinzipien steht. Hierdurch wird die wichtige ethische Stellungnahme der Caritas im Bistum Münster sichtbar, die bei der herannahenden Umsetzung der neuen pastoralen Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle einnehmen wird.