Heute ist der 28.10.2026, und in Stuttgart-Untertürkheim herrscht eine aufgeheizte Stimmung. Mercedes-Benz hat den Sparkurs auf einen neuen Höhepunkt gehoben. Seit Anfang September laufen in den Produktionsstätten in Stuttgart und Berlin freiwillige Abfindungsprogramme, die vorerst bis November befristet sind. Die Situation ist angespannt, und viele Beschäftigte stehen vor der Frage, ob sie ein Angebot zur Abfindung annehmen sollen. Je nach Einzelfall winken Abfindungen im sechsstelligen Bereich, in Extremfällen sogar bis zu 330.000 Euro. Ein schmaler Lichtblick in einem ansonsten recht düsteren Szenario.

Der Personalabbau ist nicht neu für die Mitarbeiter der beiden Werke. Schon seit mehreren Jahren nutzt Mercedes diese freiwilligen Abfindungen, um die Belegschaft zu reduzieren. Das Augenmerk lag bisher vor allem auf Verwaltungs- und Entwicklungsbereichen, doch jetzt scheint die Fertigung selbst ins Visier zu geraten. Ab Dezember soll ein weiteres Programm starten, diesmal auch für Führungskräfte. Es bleibt dabei: Die „doppelte Freiwilligkeit“ ist das A und O. Das heißt, sowohl Arbeitgeber als auch Mitarbeiter müssen einverstanden sein. So einfach ist das.

Der Wandel zur Elektromobilität

Der Wandel zur Elektromobilität hat die Struktur der Beschäftigung grundlegend verändert. In Untertürkheim, einem wichtigen Standort für Antriebskomponenten, verlieren klassische Verbrennerteile an Bedeutung. Das bedeutet nicht, dass die Arbeitsplätze einfach verschwinden – vielmehr entstehen neue Aufgaben im Bereich Elektroantriebe und Batterietechnik. Doch die neuen Tätigkeiten sind nicht automatisch am alten Standort verfügbar. Die Fertigung elektrischer Antriebe erfordert andere Qualifikationen und Abläufe als die traditionelle Komponentenproduktion. Das lässt so manchen Beschäftigten mit einem mulmigen Gefühl zurück.

Die wirtschaftliche Lage von Mercedes ist angespannt. Sinkende Verkaufszahlen und ein hoher Wettbewerbsdruck, insbesondere aus China, setzen dem Unternehmen zu. In den ersten neun Monaten 2026 gingen die Pkw-Auslieferungen um 7 Prozent zurück. Konzernchef Ola Källenius hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt auf eine Modelloffensive, Kostensenkungen und die Verlagerung von Produktionsumfängen an günstigere Standorte. Es ist ein Schachspiel, und die Figuren stehen nicht mehr so gut wie früher.

Ein Blick in die Zukunft

Die Herausforderungen der Automobilbranche sind nicht nur eine Sache von Mercedes-Benz. Der Verband der Automobilindustrie rechnet bis 2035 mit dem Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie. Das ist eine düstere Prognose, die nicht nur die großen Hersteller, sondern auch die Zulieferbetriebe betrifft. Diese müssen sich auf den Übergang zur Elektromobilität einstellen, was bedeutet, dass viele Stellen wegfallen werden.

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Die Gründe für diesen Stellenabbau sind vielschichtig: hohe Steuern, teure Energie und umfangreiche Bürokratie machen es den Unternehmen nicht leicht. VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert von der EU mehr Flexibilität und Technologieoffenheit. Vielleicht, so hofft man, könnten durch solche Maßnahmen etwa 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland gerettet werden. Aber bis es soweit ist, bleibt die Unsicherheit für viele Beschäftigte bei Mercedes und anderswo bestehen.