Lebensretter auf vier Rädern: Mediziner des Klinikums Stuttgart trainieren für den Notfalleinsatz mit dem Medical Intervention Car
In der Stadt Stuttgart wird nicht nur an neuen Gebäuden und Straßen gearbeitet, sondern auch an der Sicherheit im Straßenverkehr – vor allem für die, die in kritischen Momenten Leben retten. Zwölf Mediziner des Klinikums Stuttgart, Teil des renommierten MIC-Teams, haben sich auf Einladung des ADAC Württemberg auf der Verkehrsübungsanlage in Leonberg einem intensiven Fahrsicherheitstraining unterzogen. Denn wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, ist jedes Detail entscheidend.
Das Medical Intervention Car (MIC), das die Ärzte im Einsatz steuern, ist eine mobile Intensivstation auf vier Rädern. Mit einem solchen Fahrzeug, ausgestattet mit modernster Technik wie einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO) und Blutkonserven, sind die Mediziner seit knapp zwei Jahren unterwegs. Unter der Leitung von Dr. Christoph Wihler trainierten sie, kritische Verkehrssituationen zu meistern, um auch bei schweren Notfällen wie Kreislaufstillständen schnell und sicher reagieren zu können.
Sichere Fahrt für Lebensretter
Das Training in Leonberg war mehr als nur eine Übung: Die Teilnehmenden lernten, Gefahren frühzeitig zu erkennen, kontrolliert zu bremsen und sich sicher auszuweichen. Unvorhersehbare Situationen, die im Straßenverkehr jederzeit auftreten können, wurden realistisch simuliert. „Es ist wichtig, die Besonderheiten unseres Fahrzeugs zu verstehen“, sagt Dr. Wihler. „Das MIC verhält sich ganz anders als ein gewöhnlicher Pkw, besonders was Gewicht und Beladung angeht.“ Und das hat ganz praktische Auswirkungen: der Bremsweg wird deutlich länger. Deshalb ist es unerlässlich, auch dafür zu trainieren.
Michael Saur, der Vorsitzende des ADAC Württemberg, wünschte den Medizinerinnen und Medizinern eine sichere Fahrt. Und das ist in der Tat wichtig, denn das MIC war bereits über 1.000 Mal im Einsatz. Aber trotz der vielen Herausforderungen, die es zu bewältigen galt, gab es bis jetzt nur zwei kleinere Rempler. Das zeigt, wie gut das Team vorbereitet ist und wie ernst sie ihre Verantwortung nehmen, Menschen in Not zu helfen.
Ein innovatives Konzept für bessere Notfallversorgung
Das MIC ergänzt die reguläre Notfallversorgung in Stuttgart und stellt sicher, dass Patienten schon am Einsatzort intensivmedizinisch behandelt werden können. Die Björn Steiger Stiftung übergab das Fahrzeug am 2. Dezember 2024 und startete zugleich ein Forschungsprojekt, das darauf abzielt, die medizinische Versorgung vor der Einlieferung ins Krankenhaus zu verbessern. Das Konzept orientiert sich am Heidelberger Modell, wurde aber in Stuttgart weiterentwickelt, um auch schwerstkranke Kinder und Neugeborene adäquat versorgen zu können.
Das Team, bestehend aus erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten für Anästhesiologie, ist 24 Stunden am Tag einsatzbereit. Das bedeutet, dass sie nicht nur tagsüber, sondern auch nachts und an Wochenenden zur Stelle sind, wenn jede Sekunde zählt. Die Einsatzbereitschaft wird durch einen Tages-Volldienst sowie Rufbereitschaft gewährleistet. Mit einem Budget von 1,4 Millionen Euro, das vollständig von der Björn Steiger Stiftung getragen wird, wird sowohl die Anschaffung des Fahrzeugs als auch die Personalkosten für drei Jahre abgedeckt.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Olgahospital, der Kinderklinik des Klinikums Stuttgart, sorgt dafür, dass auch bei Kindernotfällen eine schnelle und kompetente Hilfe gewährleistet ist. Hier wird nicht nur auf die neuesten medizinischen Standards gesetzt, sondern auch auf eine enge Vernetzung zwischen den verschiedenen Kliniken. Das MIC ist somit nicht nur ein Fahrzeug – es ist ein entscheidender Teil der Notfallmedizin in Stuttgart.
