In Nürtingen, einer kleinen Stadt in der Nähe von Stuttgart, brodelt es gewaltig – und das nicht nur wegen der landwirtschaftlichen Betriebe. Hier haben zwei junge Gründer, Lenn Hoffmann und Jonas Nolte, die App „FarmerOS“ ins Leben gerufen. Sie wollen mit ihrer digitalen Lösung die Landwirtschaft revolutionieren. Die Idee, die vor Jahren aus einem Schulprojekt entstand, hat sich mittlerweile zu einem vielversprechenden Start-up entwickelt, das mehr als 500 Haushalte pro Woche mit frischen Produkten beliefert. Und das ist erst der Anfang!

Die beiden sind inzwischen 21 Jahre alt und haben mit „FarmerOS“ ein System geschaffen, das die Betriebsabläufe von Landwirten digitalisieren und automatisieren soll. Nutzern ermöglicht die App unter anderem die Felderdokumentation, die Erstellung von Rechnungen und die Verwaltung von Lagerbeständen. Beim „Gründerwasen“ auf dem Cannstatter Volksfest wurden sie nicht nur für ihre Innovationskraft ausgezeichnet, sondern erhielten auch den IHK-Preis „Jugend macht Zukunft“ und 13.000 Euro Preisgeld. Das könnte man als das Sprungbrett für die nächsten Schritte betrachten.

Vom Eierverkauf zur digitalen Lösung

Die Geschichte von Hoffmann und Nolte beginnt bereits mit 15 Jahren, als Hoffmann Eier seiner eigenen Hühner an Nachbarn verkaufte. Nolte, der sich das Programmieren selbst beigebracht hat, entwickelte dazu eine Verkaufswebsite. Später belieferten sie zusätzlich Produkte lokaler Bauern. Diese Erfahrungen haben ihnen nicht nur die landwirtschaftlichen Abläufe nähergebracht, sondern auch gezeigt, wie ineffizient viele Verwaltungsprozesse in Betrieben ablaufen. Ihre Antwort darauf? „FarmerOS“!

Die App ist mehr als nur ein digitales Werkzeug – sie ist ein Betriebssystem für Landwirte. Mit Funktionen wie der Erstellung einer Hof-Website mit Online-Shop oder der digitalen Kennzeichnung von Flurstücken ermöglicht die Software eine Vernetzung der betrieblichen Abläufe. Die Gründer arbeiten dabei eng mit Landwirten zusammen, um die Software ständig weiterzuentwickeln. Momentan sind bereits zehn Pilotbetriebe an Bord, die das System testen und Feedback geben.

Intelligente Technik für die Landwirtschaft

Ein besonders spannendes Element von „FarmerOS“ ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Diese soll Landwirten helfen, Informationen per Sprache in die App einzutragen – ein KI-Sprachassistent, der gerade trainiert wird. Bei einem Test auf dem Hof von Max Jenz in Unterensingen konnte die KI zwar nicht sofort die Angabe „Zehner-Kartons“ verstehen, aber immerhin die Menge von 1.070 Eiern zuordnen. Das zeigt, dass die Technik noch auf dem Weg ist, aber vielversprechende Ansätze bereithält. Landwirte wie Damaris Traub vom Gemüsebetrieb Hopfenhof in Oberensingen sind begeistert und nutzen die Möglichkeit, Aufgaben direkt am Smartphone abzuhaken, anstatt sich mit Papierkram zu beschäftigen.

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Und die Warteliste wächst: Mittlerweile stehen 70 Interessenten bereit, um die App zu testen. Selbst Nichtlandwirte interessieren sich für das Baukastensystem. Schließlich ist der Trend zur Digitalisierung in der Landwirtschaft nicht mehr aufzuhalten. Effiziente Prozesse, die Ressourcenschonung fördern und datenbasierte Entscheidungen ermöglichen – das sind die Schlagworte der Stunde.

Ein Blick in die Zukunft

Die beiden Gründer Hoffmann und Nolte, die mittlerweile im vierten Semester Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Stuttgart studieren, haben große Pläne. In den kommenden Monaten soll „FarmerOS“ weiter ausgebaut werden, um Funktionen wie Düngeberechnung und digitales Feldermanagement zu integrieren. Langfristig träumen sie davon, dass alle relevanten Bereiche – von der Buchhaltung über Maschinen bis hin zu Sensoren – miteinander vernetzt sind. Das Ziel? Ein reibungsloser Datenfluss, der die Arbeit auf den Höfen erheblich erleichtert.

Die Digitalisierung wird die Landwirtschaft 4.0 prägen und neue Geschäftsfelder eröffnen. Dabei stehen nicht nur die technischen Aspekte im Mittelpunkt, sondern auch Vertrauen, Transparenz und Datenschutz. Die Gründer von „FarmerOS“ sind sich der Verantwortung bewusst und nutzen die Möglichkeit, digitale Ökosysteme zu gestalten, die den Landwirten von morgen helfen werden.

Wie die Zukunft der Landwirtschaft aussieht, wird spannend zu beobachten sein. Das junge Team aus Nürtingen hat mit „FarmerOS“ den ersten Schritt gemacht. Und wir können uns sicher sein: Die Reise hat gerade erst begonnen.