Eine aktuelle Umfrage zeigt einen starken Wunsch nach mehr Eigenständigkeit im Elsass. Laut den Ergebnissen sind beeindruckende 70 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Elsass wieder selbstständig werden sollte. Dies berichtet ZVW. Bei einem Referendum würden sogar 72 Prozent für die Eigenständigkeit stimmen. Diese Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ifop in Paris durchgeführt, auf Auftrag von drei Verbänden, die sich aktiv für die Selbstständigkeit der Region einsetzen.

Die politische Landschaft hat sich seit der Vereinigung des Elsass mit Lothringen und Champagne-Ardennes zur Région Grand Est im Jahr 2016 verändert. Diese Fusion führte dazu, dass das Elsass auf Verwaltungsebene nahezu verschwand, was bei vielen Bürgern auf Kritik stieß. 2021 wurde zwar die Europäische Gebietskörperschaft Elsass mit Sonderrechten gegründet, dennoch gibt es erhebliche Forderungen von Regionalpolitikern nach einem Austritt aus der Région Grand Est.

Wachsende Unterstützung für Eigenständigkeit

Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass die Unterstützung für eine eigenständige Region im Elsass zunimmt. Insbesondere 68 Prozent der Alsacien wünschen sich, dass die neu gegründete Collectivité européenne d’Alsace, die aus der Fusion der Departements Bas-Rhin und Haut-Rhin entstanden ist, eine eigene Region außerhalb des Grand Est wird. Dies stellt eine Steigerung um 2 Prozent im Vergleich zu Februar 2019 dar. Darüber hinaus unterstützen 55 Prozent die Gründung einer neuen politischen Partei, die die Abspaltung von der Region Grand Est fordert, was in der gegenwärtigen politischen Situation in Frankreich als bemerkenswert gilt.

Beachtlich ist auch, dass 57 Prozent der Befragten für diese neue Partei stimmen würden, was besonders für bilingual lebende Alsacien (66 Prozent) und hauptsächlich alsacisch sprechende Personen (86 Prozent) gilt. Diese Informationen stammen aus dem umfassenden Bericht von Ifop, der zeigt, dass das Bewusstsein für die neue Collectivité bei 54 Prozent der Alsacien vorhanden ist, jedoch nur 32 Prozent genau wissen, was dies bedeutet.

Sprachliche Identität und kulturelle Unterstützung

Ein weiterer Aspekt der Umfrage betrifft die sprachliche Identität der Alsacien. Die Nutzung der alsacischen Sprache ist in den letzten Jahrzehnten stark gesunken, mit nur noch 21 Prozent, die alsacisch in der Familie sprechen. Dennoch gibt es ein starkes Anliegen, die alsacische Sprache zu fördern: 50 Prozent der Befragten unterstützen einen umfassenden Aktionsplan zur Stärkung der alsacischen Sprache, insbesondere durch verstärkten Unterricht in Schulen. Lediglich 6 Prozent wünschen sich die Einstellung der öffentlichen Unterstützung, was auf die tiefe Verwurzelung der kulturellen Identität in der Region hinweist.

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Diese Entwicklungen kommen in einer Zeit, in der die politische Unterstützung für die Eigenständigkeit in Frankreich eher gering ist. Präsident Emmanuel Macron hatte dem Anliegen vor einem Jahr eine Absage erteilt. Die Umfragen bestätigen dennoch, dass der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und eine starke regionale Identität weiterhin in der elsässischen Bevölkerung fest verankert sind.