Streit um Flächennutzung in Alfdorf-Bonholz: Stromspeicher oder Gewerbe?
In Alfdorf-Bonholz brodelt es gewaltig. Die Diskussion über die Nutzung einer Fläche hat für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Auf der einen Seite steht die Idee, dort einen Stromspeicher zu errichten – ein Projekt, das die Bürgerenergie Schwäbischer Wald ins Leben gerufen hat. Auf der anderen Seite könnte die Fläche auch für die Ansiedlung von Gewerbe verwendet werden, was potenziell neue Arbeitsplätze schaffen würde. Ein Dilemma, das die Bürger und den Gemeinderat vor eine spannende Entscheidung stellt.
Die Pläne der Bürgerenergie Schwäbischer Wald sind ambitioniert. Ein Solarpark am Stixenhof steht auf der Agenda, ebenso wie Windenergieanlagen am nahegelegenen Flugplatz Welzheim. Die Genossenschaft, die erst im November 2023 aus einer Gruppe engagierter Alfdorfer gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, erneuerbare Energien auszubauen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu sein. Hierbei können die Mitglieder Genossenschaftsanteile erwerben, was einerseits das Kapital für die Projekte sichert und andererseits eine Dividende für die Mitglieder verspricht. Auch wenn die EEG-Vergütung heute nicht mehr so hoch ist wie vor zehn Jahren – der Vorstand ist überzeugt, dass das Solarprojekt wirtschaftlich Sinn macht.
Der Solarpark am Stixenhof
Auf einem gepachteten Grundstück von rund acht Hektar sollen 6,5 Hektar mit Photovoltaikanlagen bebaut werden. Die restlichen Flächen dienen unter anderem als Ausgleichsfläche. Was bedeutet das konkret? Nun, die Anlage könnte jährlich Strom für etwa 2250 Drei-Personen-Haushalte erzeugen – das sind knapp 7000 Menschen, die hier von sauberem, erneuerbarem Strom profitieren könnten. Das Investitionsvolumen für dieses Projekt beträgt etwa sechs Millionen Euro. Ein ordentlicher Batzen, aber die Genossenschaft ist bereit, diesen Schritt zu wagen.
Die technische Umsetzung könnte zügig über die Bühne gehen. Bei optimalem Verlauf wäre der Bau bis Ende 2026 abgeschlossen und die Inbetriebnahme samt Netzanschluss für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Doch zuvor stehen noch einige Hürden an. Der Bauantrag muss in den kommenden Monaten eingereicht werden und über den Landschaftsschutz muss das Landratsamt entscheiden. Ein bisschen Aufregung ist also noch in der Luft.
Windkraft als Ergänzung
Doch das ist noch nicht alles. Auch Windenergieanlagen sollen in der Nähe des Flugplatzes Welzheim entstehen. Der Bauantrag dafür wurde bereits 2025 eingereicht. Hier wird mit Kosten von rund 30 Millionen Euro gerechnet. Die Windanlagen sollen, so die Planung, etwa 18 Megawattstunden Strom erzeugen – das ist mehr als doppelt so viel wie die PV-Anlage am Stixenhof. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der erste Windstrom frühestens Ende 2028 fließen.
Die Bürgerenergie Schwäbischer Wald ist zudem Teil der Bürgerwerke, einem Netzwerk von etwa 150 Energiegenossenschaften. Das ermöglicht es auch Nichtmitgliedern, Strom über die Genossenschaft zu beziehen, und Mitglieder erhalten einen Rabatt. Ein cleverer Schachzug, der der Genossenschaft mehr Mitglieder und somit mehr Kapital einbringen könnte. Aktuell zählt die Genossenschaft bereits 262 Mitglieder, darunter auch Kommunen wie Alfdorf, Rudersberg und Welzheim.
Fördermöglichkeiten und Zukunftsausblick
Für die Finanzierung solcher Projekte gibt es zahlreiche Förderprogramme, die für Genossenschaften wie die Bürgerenergie Schwäbischer Wald von Bedeutung sind. Im Jahr 2026 stehen verschiedene Bundes- und EU-Förderungen zur Verfügung, die speziell für erneuerbare Energien ausgelegt sind. Die KfW und BAFA fördern beispielsweise Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Hierbei müssen die Anträge meist vor Maßnahmenbeginn gestellt werden, was einen gewissen Vorlauf erfordert.
In Alfdorf wird also nicht nur über die Frage entschieden, ob ein Stromspeicher oder Gewerbe wichtiger ist, sondern es werden auch die Weichen für eine nachhaltige Energiezukunft gestellt. Die Entscheidung des Gemeinderats wird entscheidend sein – sowohl für die Schaffung von Arbeitsplätzen als auch für die Förderung erneuerbarer Energien. Es bleibt spannend, wie sich die Situation entwickeln wird.
