Estnische Rinderzüchter entdecken Österreichs Bio-Landwirtschaft!
Vom 15. bis 17. September 2025 fand in Österreich ein bedeutender Austausch zwischen einer Delegation von 23 estnischen Rinderzüchtern und lokalen Bio-Betrieben statt. Ziel dieser Reise war es, Einblicke in moderne Fleischproduktion, Weidemanagement und tiergerechte Haltung zu gewinnen. Die Delegation besichtigte verschiedene Stationen, darunter die Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien und die BOA-Farm von Daniela Wintereder, die mit ihrem Mutterkuhbetrieb über 600 Angus-Rinder betreibt. In diesen Betrieben wurden effiziente Produktionsmethoden und innovative Ansätze zur Tierhaltung vorgestellt.
Ein Höhepunkt des Besuchs war die Präsentation von Lukas Hochwallner, Geschäftsführer der ARGE Nahtürlich Bio, im Waldviertel. Er erläuterte die nachhaltige Bewirtschaftung von 40 Hektar Weidefläche an zehn Standorten. Die Delegation zeigte sich besonders beeindruckt von den hygienischen Standards und den Schlachtprozessen, sowie vom Produktsortiment des Unternehmens Sonnberg Biofleisch, das als Österreichs größter 100%-Bio-Fleischverarbeiter gilt. Insbesondere das Angebot an Bio-Speck fand großen Anklang.
Tierwohl als zentrales Thema
In Estland liegt der Bio-Anteil an der Landwirtschaft bei 23,4 %, das Bio-Fleischangebot ist jedoch begrenzt. Keidi Tamm, Geschäftsführerin des Estnischen Fleischrinderzuchtverbands, betonte die positiven Eindrücke von der ruhigen Tierhaltung und den einfachen, aber effektiven Methoden in Österreich. Diese Aspekte stehen im Einklang mit den wichtigen Anforderungen an das Tierwohl, die in Studien hervorgehoben werden. Tierbezogene Indikatoren sind entscheidend für die Kontrolle und rechtlichen Produktionsstandards und messen das tatsächliche Wohlergehen der Tiere. Diese Indikatoren werden derzeit vor allem von den Mitgliedern der AG Tierwohl, zu denen auch die Verbände Bioland, Biokreis, Naturland, Gäa und Ecoland gehören, angewandt.
Eine besondere Herausforderung besteht jedoch in der intensiven Nutztierhaltung. Diese verursacht nicht nur hohe CO₂-Emissionen, sondern geht auch mit weiteren Umweltproblemen wie Landverbrauch und Grundwasserverschmutzung einher. Nachhaltigkeit umfasst daher neben Klima- und Umweltaspekten auch soziale Gerechtigkeit und das Tierwohl. Verbraucher stehen vor der wichtigen Entscheidung, was ihnen beim Kauf von Lebensmitteln wichtig ist.
Chancen für zukünftige Kooperationen
Die Delegation aus Estland signalisierte großes Interesse an Kooperationen und der Fortsetzung des Austauschs. Dies könnte nicht nur zur Verbesserung des Bio-Fleischangebots in Estland beitragen, sondern auch die lokale Wertschöpfung in beiden Ländern fördern. Es ist wichtig, dass tierhaltende Betriebe ein faires Einkommen erzielen, um nachhaltig wirtschaften zu können. Verbraucher können dies durch ihr Kaufverhalten unterstützen, indem sie regionale Landwirte bevorzugen, die das Tierwohl fördern.
In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen im Bereich der Tierhaltung und Fleischproduktion wird dringend empfohlen, den Fleischkonsum insgesamt zu reduzieren und verantwortungsvoll erzeugtes Fleisch in den Fokus zu rücken. Initiativen zur nachhaltigen Erzeugung sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch erforderlich, um die soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit in der Landwirtschaft zu gewährleisten.
Für die Zukunft sind solche Austauschprogramme von hoher Bedeutung, um Wissen und praktische Erfahrungen basierend auf nachhaltigen Praktiken zu teilen. Die Begeisterung der estnischen Delegation könnte den Grundstein für eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Bio-Landwirtschaft legen.
Für weitere Informationen zu den Themen nachhaltige Fleischproduktion, tiergerechte Haltung und Bio-Landwirtschaft besuchen Sie bitte die Beiträge auf meinbezirk.at, bzfe.de und oekolandbau.de.
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