Gewalt im Einzelhandel: Ein besorgniserregender Trend und der Ruf nach mehr Sicherheit
Am Montagvormittag, dem 19. Oktober 2026, ging es im Buchzentrum in Bietigheim-Bissingen alles andere als beschaulich zu. Gegen 10:30 Uhr rückten gleich mehrere Streifenwagen an, als die Polizei von einem möglicherweise bewaffneten Mann in einem Geschäft hörte. Die Situation war angespannt, denn es bestand der Verdacht, dass der 44-jährige Tatverdächtige mit einem Messer aufgetaucht war. Doch als die Beamten eintrafen, stellte sich heraus: Der Mann war nicht bewaffnet. Dennoch war die Lage brenzlig, denn es hatte einen heftigen Streit zwischen Familienmitgliedern gegeben, an dem neben dem Tatverdächtigen auch eine 50-jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 18 und 51 Jahren beteiligt waren.
Die Auseinandersetzung, die in dem Geschäft ausbrach, eskalierte rasch. Zwischen den beiden Männern kam es zu einem handfesten Gerangel, das die Gemüter erhitzte. Danach soll der 44-Jährige die Frau und die anderen beiden Männer bedroht haben. Das war für die Polizei Grund genug, einzugreifen. Der Tatverdächtige wurde schließlich vorläufig festgenommen und zum Polizeirevier Bietigheim-Bissingen gebracht. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde er wieder freigelassen, aber die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.
Ein Schatten über dem Einzelhandel
Solche Vorfälle sind nicht die Ausnahme, sondern scheinen vielmehr an der Tagesordnung zu sein. Ein Beispiel dafür ist der Edeka-Händler Alexander Lorenz, der im Dezember 2025 einen Streit auf einem Parkplatz beobachtete, der in Gewalt mündete. Ein Autofahrer geriet in Streit mit einem anderen und setzte Pfefferspray ein. Lorenz griff ein, um andere Kunden zu schützen, doch das führte dazu, dass er selbst angegriffen wurde. Eine bedrückende Situation, die zeigt, wie schnell Konflikte im Alltag eskalieren können.
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik erreichten Gewaltdelikte im Jahr 2024 einen Höchststand. 4,2 Prozent aller Gewaltdelikte fanden in Selbstbedienungsläden statt, was insgesamt 9.133 Vorfälle ausmachte. Dieser Anstieg ist nicht nur in großen Städten zu beobachten, sondern zieht sich durch das gesamte Land – selbst in ländlichen Regionen. Die Gewaltbereitschaft im Einzelhandel nimmt zu, und das Sicherheitsgefühl der Kunden leidet darunter. Lorenz berichtet von einem sinkenden Sicherheitsgefühl, und einige Kunden fragen bereits nach einem Sicherheitsdienst.
Ein Appell zur Veränderung
Die Situation ist nicht nur besorgniserregend für die Geschäfte, sondern auch für die Angestellten, die oft mit der Gewalt konfrontiert werden. Es gibt Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit, wie etwa regelmäßige Schulungen für Mitarbeiter, um im Ernstfall besonnen reagieren zu können. Bei Edeka Lorenz wird darauf geachtet, dass Mitarbeiter nicht allein in Konfrontationen gehen – ein sinnvoller Ansatz, denn die Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen. Nach Ladenschluss dürfen die Mitarbeiter nur in Gruppen den Markt verlassen.
Es wird deutlich, dass die Veränderungen im Konsumverhalten und die damit einhergehende Gewalt im Einzelhandel ernst genommen werden müssen. Lorenz fordert die Politik und Justiz auf, Gewalt im Einzelhandel nicht als Bagatelldelikt zu behandeln. Schließlich kehren gewalttätige Ladendiebe oft schon am nächsten Tag zurück, obwohl sie festgehalten und der Polizei übergeben wurden. Ein Teufelskreis, der unbedingt durchbrochen werden muss.
