Felsengartenkellerei im Wandel: Neue Sortimentsstrategien und Herausforderungen für die Weingärtnergenossenschaft
Heike Ruck, die Aufsichtsratschefin der Felsengartenkellerei in Hessigheim, hat klare Vorstellungen, wie es mit der Weingärtnergenossenschaft weitergehen soll. Sie sieht Änderungsbedarf bei der Sortimentsstruktur. Schließlich hat die Kellerei, die zwischen Stuttgart und Heilbronn im malerischen Neckartal liegt und unter dem Namen prägender Muschelkalkfelsen bekannt ist, ein breites Angebot an Sorten und Marken. Um den aktuellen Entwicklungen gerecht zu werden, soll das Sortiment künftig stärker auf die wachsende Nachfrage nach Weißwein und Mischgetränken sowie die Einführung alkoholfreier Weine ausgerichtet werden. Ein zentrales Ziel dabei ist es, die Mitglieder der Genossenschaft zu halten.
Doch die Situation ist nicht einfach. Das Traubengeld für die angelieferten Trauben sinkt seit Jahren und liegt derzeit bei mageren 50 bis 60 Cent pro Kilogramm. Das hat zur Folge, dass die Auszahlungen an die Wengerter angehoben werden müssen, um sie zu motivieren, weiterhin in der Branche aktiv zu bleiben. Ruck weist jedoch darauf hin, dass nicht alle Rebflächen erhalten bleiben können; der Schrumpfungsprozess wird weitergehen. Besonders in den Steillagen, die für die Region so charakteristisch sind, sind seit der Corona-Pandemie viele Flächen brach gefallen. Über den Umfang und die Standorte weiterer Stilllegungen und Rodungen herrscht noch Unklarheit.
Neue Impulse und Herausforderungen
Die Felsengartenkellerei, die sich durch terrassierte Steillagen und Trockenmauern auszeichnet, hat kürzlich Jörg Hepfer zum neuen Vertriebsleiter ernannt. Diese Entscheidung wurde noch unter dem früheren Vorstand Martin Fischer getroffen. Hepfer hat die Aufgabe, die Weine nicht nur regional, sondern auch bundesweit zu vermarkten. Darüber hinaus soll der gehobene Lebensmittelhandel als zusätzliche Kundengruppe erschlossen werden – ein Schritt, der durchaus zukunftsweisend ist.
Die Kellerei, die unter dem Zeichen der goldenen Eidechse 400 Weingärtnerfamilien aus zehn Weingemeinden vereint und insgesamt 540 Hektar Rebfläche bewirtschaftet, spürt den Druck, sich anzupassen. Trotz der häufigen Wechsel an der Spitze der Genossenschaft gingen schnell Bewerbungen für die Nachfolge ein, und die Personalsuche ist bereits weit fortgeschritten. Der bisherige Stellvertreter Peter Knoll führt die Kellerei derzeit als Vorstandschef und wird sicherlich in diesen herausfordernden Zeiten eine entscheidende Rolle spielen.
Trends im Weinmarkt
Ein entscheidender Trend, den die Felsengartenkellerei im Auge behalten sollte, ist die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Weinen. Laut einer Studie des Deutschen Weininstituts (DWI) wird 2025 ein Anstieg von etwa 44 % der Haushalte erwartet, die alkoholfreien Wein kaufen. Dies lässt sich auf ein größeres Angebot und verbesserte Weinqualitäten zurückführen. Immer mehr deutsche Weingüter und Winzergenossenschaften erweitern ihr Sortiment in diesem Bereich. In der Tat zeigt eine Analyse, dass jeder dritte Betrieb 2025 alkoholfreie Weine im Sortiment führen wird – ein Anstieg von 37 % im Vergleich zum Vorjahr. Das könnte auch für die Felsengartenkellerei neue Absatzmöglichkeiten eröffnen.
Die Kombination aus der malerischen Weinbergslandschaft, den engagierten Weingärtnerfamilien und den aktuellen Markttrends könnte der Felsengartenkellerei helfen, sich in diesen bewegten Zeiten neu zu positionieren. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten – aber die Zeichen stehen auf Wandel und Innovation.
