Im Herzen von Baden-Württemberg gibt es eine nicht ganz so idyllische Statistik, die uns alle betrifft: Wildunfälle. Für das Jagdjahr 2024/2025 hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) die Wildunfalldaten ausgewertet. Insgesamt wurden im Land knapp 25.000 Wildunfälle registriert – eine Zahl, die uns nachdenklich stimmt.

Die meisten Unfälle – und hier wird’s konkret – traten im Main-Tauber-Kreis auf, mit 1.455 registrierten Vorfällen. Ein Blick auf die Nachbarn zeigt, dass auch der Neckar-Odenwald-Kreis (1.126) und der Landkreis Schwäbisch Hall (1.114) nicht viel besser dastehen. Das sind nicht einfach nur Zahlen, das sind Geschichten, die sich auf den Straßen abspielen. Besonders bedenklich ist die Definition von „Wildunfallstrecken“: Straßenabschnitte, wo mindestens sechs Wildunfälle pro Kilometer und Jahr geschehen. Laut den Daten wurden im Land insgesamt 415 solcher Strecken identifiziert.

Die Hotspots für Wildunfälle

In den Wildunfallstrecken sind die Unfalldichten alarmierend hoch. So liegt die durchschnittliche Dichte bei 20,51 Unfällen pro Straßenkilometer. Es gibt jedoch auch extreme Ausreißer – von nur 2,16 bis hin zu schockierenden 130,04 Unfällen je Kilometer. Das zeigt, dass Unfälle sich oft häufen, wenn eine Heckenstruktur Tiere zur Straße leitet. Man könnte fast sagen, dass die Straßen zu einem gefährlichen Slalom-Parcours für Wildtiere werden.

Die FVA hat auch festgestellt, dass viele der Wildunfalldaten auffällig innerhalb bebauter Flächen liegen. Das könnte auf fehlerhafte Eingaben hindeuten. Es ist wichtig zu wissen, dass Wildunfälle innerhalb von Ortschaften aus der Kartendarstellung entfernt wurden, jedoch in den Analysen berücksichtigt bleiben. Bebaute Flächen sind auf den Karten hellrosa markiert. Wer die Karten studiert, sieht, dass das Problem nicht nur in der Natur, sondern auch in der Nähe unserer Wohngebiete präsent ist.

Tierarten und ihre Unfallzahlen

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Verteilung der Wildunfälle nach Tierart. Die häufigsten „Unfallopfer“ sind eindeutig die Rehe, mit durchschnittlich 14.261 Unfällen pro Jahr. Daneben gibt es auch Füchse (2.010), Dachse (1.364) und sogar einige Wildschweine (1.012). Der Wolf und der Luchs tauchen in den Statistiken kaum auf – nur jeweils ein Unfall pro Jahr. Das zeigt, wie unterschiedlich die Gefahren für die verschiedenen Tierarten sind.

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In der Gesamtübersicht wird auch deutlich, dass die Wildunfallzahlen stark zwischen den Landkreisen schwanken. Im Main-Tauber-Kreis und Neckar-Odenwald-Kreis finden sich nicht nur die meisten Unfälle, sondern auch die meisten Wildunfallstrecken. Und das ist nicht einfach nur eine Zahl, das hat Auswirkungen auf die Natur und die Tierwelt.

Präventionsmaßnahmen und Wildtierkorridore

Besonders alarmierend ist der Fakt, dass 8,3 % der analysierten Wildunfälle und 6 % der Wildunfallstrecken innerhalb der Wildtierkorridore des Generalwildwegeplans liegen. Diese Korridore sind wichtig, um Tiere sicher über Straßen zu leiten. Stetige Wildunfallstrecken, die über mehrere Jahre hinweg konstant bleiben, sind ein weiteres Thema. Identifiziert wurden 48 solcher Strecken zwischen 2022/2023 und 2023/2024 und sogar 101 zwischen 2023/2024 und 2024/2025. Hier gilt es, gezielt Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Die DJV-Jagdstatistik bietet schließlich auch einen Einblick in die Jahresstrecken einzelner Wildtierarten. Diese Daten sind wichtig, um die Situation besser zu verstehen und fundierte Maßnahmen zu ergreifen. Wer sich für die Wildunfallstatistik interessiert, findet auf den entsprechenden Seiten Downloads für die Jagdjahre 2024/2025 sowie zurück bis 2014/2015.

In einer Zeit, in der unsere Straßen immer dichter befahren werden, ist es umso wichtiger, sich dieser Problematik bewusst zu sein. Wildunfälle sind nicht nur tragisch für die Tiere, sie können auch schwerwiegende Folgen für uns Menschen haben. Ein aufmerksames Fahren und das Bewusstsein für die Natur um uns herum könnten dazu beitragen, die Zahlen zu senken – und vielleicht wird das nächste Jahr ja ein besseres für unsere tierischen Mitbewohner.