Am 28. Februar 2026 erreicht uns aus Uhingen eine beunruhigende Nachricht: Die Stadtverwaltung wurde vor einer Woche Ziel eines Cyber-Angriffs. Glücklicherweise konnte dieser Angriff durch die Abwehrmechanismen der IT-Abteilung erfolgreich unterbunden werden, sodass keine Daten entwendet wurden. Die IT-Abteilung, bestehend aus nur drei Mitarbeitern, spielt eine zentrale Rolle in der Verwaltung und ist verantwortlich für viele wichtige Bereiche, darunter Kindergärten, das Rathaus, die Kämmerei, das Bauamt sowie mehrere Außenstellen und Institutionen wie das Klärwerk und die Schulen.
Die technische Infrastruktur der Stadtverwaltung ist beeindruckend: Insgesamt stehen 8 Server und 62 virtuelle Server zur Verfügung. Die IT-Abteilung sorgt nicht nur für die Sicherheit der Daten gemäß gesetzlichen Vorgaben, sondern betreibt auch pädagogische Netze sowie Verwaltungsnetzwerke. Das Team stellt zudem Endgeräte wie Computer, Notebooks, Handys und Tablets für die Stadtverwaltung, Stadträte und Schulen bereit. Besonders hervorzuheben ist, dass die EDV-Betreuung der Schulen eine freiwillige Leistung der Stadt ist, die großen Wert auf die Unterstützung ihrer Bildungseinrichtungen legt.
Effiziente Problemlösungen und Digitalisierung
Ein internes Ticketing-System zur Meldung technischer Probleme hat seit seiner Einführung etwa 7300 Anfragen verzeichnet. Diese Zahl unterstreicht die Bedeutung der IT-Abteilung, die im Durchschnitt täglich rund 10 Probleme bearbeitet, deren Lösungen oft komplex sein können. In den letzten Jahren hat die Digitalisierung interner Prozesse und Service-Angebote zugenommen. So können Bürger nun Online-Termine für das Einwohnermeldeamt, Standesamt und den Rentenservice vereinbaren. Mit dem PointID-System werden Lichtbilder, Fingerabdrücke und Unterschriften sicher erfasst, und der Posteingang wird durch das Einscannen von Dokumenten digitalisiert.
Die Einführung der E-Akte ermöglicht einen digitalen Zugriff auf Akten und trägt dazu bei, die Effizienz der Verwaltungsprozesse zu steigern. Diese Fortschritte in der Digitalisierung erleichtern die Kommunikation zwischen Bevölkerung und Verwaltung erheblich. Dennoch bleibt die Möglichkeit erhalten, Anträge weiterhin in Papierform auszufüllen und Beratungen in Anspruch zu nehmen.
Herausforderungen und Lösungen
Die aktuelle Situation verdeutlicht, wie wichtig ein effektives Krisenmanagement ist. In diesem Zusammenhang haben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einen Wegweiser mit dem Titel „Kommunale IT-Krisen: Handlungsfähigkeit sichern“ erstellt. Dieser Wegweiser soll Kommunen unterstützen, Cyberangriffe zu bewältigen und ihre IT-Infrastrukturen zu sichern. Cyberangriffe stellen eine erhebliche Herausforderung dar und erfordern sowohl wirksamen Schutz als auch effizienten Umgang mit IT-Krisen.
Ein effektives Notfall- und Krisenmanagement ist notwendig, um außergewöhnliche Situationen schnell zu bewältigen und negative Folgen zu minimieren. Die enge Zusammenarbeit zwischen kommunalen Verwaltungsebenen und dem IT-Betrieb ist entscheidend für die Prävention und Reaktion auf Cybergefahren. Geschulte Mitarbeiter und vorgedachte interne Strukturen sind Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung von Akutmaßnahmen. Außerdem wird empfohlen, die Cybersicherheit als „Chef-Sache“ zu verankern und regelmäßig IT-Notfallpläne zu testen.
Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen, vor denen die Uhinger Stadtverwaltung steht, sind nicht einzigartig, wie der Ransomware-Angriff auf die Gemeindeverwaltung Untereisesheim zeigt. Dieser führte zur Verschlüsselung aller Serverdaten, was die Verwaltung nur telefonisch und über Notfall-E-Mail erreichbar machte. Unterstützung erhielt die Gemeinde durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Bundeskriminalamt. Studien belegen, dass viele Kommunen unzureichend auf Cyber-Bedrohungen vorbereitet sind, was häufig weniger an finanziellen Mitteln, sondern vielmehr an mangelndem politischen Bewusstsein und unklaren Verantwortlichkeiten liegt.
Die Digitalisierung der Verwaltung erfordert eine ganzheitliche Cyber-Sicherheitsstrategie, die technische Lösungen und Governance-Themen umfasst. Die Stärkung der interkommunalen Kooperation und Diversifizierung der IT-Infrastruktur sind ebenfalls wichtige Schritte, um Risiken zu minimieren. Die anstehende eGovernment Kommunal Digital Conference Ende Oktober wird zudem Impulse für sichere digitale Verwaltungsprozesse liefern.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Uhinger Stadtverwaltung und dem Umgang mit Cyber-Angriffen, lesen Sie bitte den Artikel auf Filstalexpress. Eine umfassende Sammlung von Informationen und Hinweisen zur IT-Sicherheit in Kommunen finden Sie bald in der Veröffentlichung des BBK, die auf der Webseite des BBK erhältlich sein wird BSI.