Gemeinschaft und Trost im MOCA: Ein Café für Trauernde auf dem Landsberger Waldfriedhof
Wenn man an einen Friedhof denkt, kommen einem oft düstere Bilder in den Kopf. Aber in Landsberg, da gibt es einen Ort, der diese Vorstellung auf den Kopf stellt. Das mobile Café „MOCA“ hat sich seit diesem Sommer auf dem Landsberger Waldfriedhof etabliert und bietet Trauernden einen Treffpunkt, der viel mehr ist als nur Kaffee und Kuchen. Hier wird Gemeinschaft großgeschrieben, und der Leitspruch „Du bist nicht alleine“ ist nicht nur eine Floskel, sondern ein echtes Versprechen.
Jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat öffnet das Café seine Pforten von 14 bis 16 Uhr. Es hat sich zu einem echten Anziehungspunkt entwickelt, auch wenn beim letzten Treffen der Saison vor Allerheiligen der Regen und Wind einige Besucher fernhielten. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge, denn bei schlechtem Wetter können die Treffen in die gemütlichen Räume der Friedhofsanlage verlegt werden. Ursprünglich gestartet mit einer einfachen Bierzeltgarnitur, hat sich das Café mittlerweile mit eigenen Tischen und Stühlen sowie selbst zubereitetem Kaffee, Tee und Kuchen ausgestattet. Alles wird durch Spenden finanziert – ein tolles Beispiel für Engagement und Gemeinschaftsgeist!
Ein Ort für Austausch und Verständnis
Die Organisatorinnen des Cafés, ein Team aus ehrenamtlichen Helferinnen des AWO-Mehrgenerationenhauses, haben das Ziel, einen Raum für den Austausch über Trauer zu schaffen. Kersten Bretthauer, Fabienne Senkel, Beate Tschuri, Helga Gotthart und Ursula Stöger sind die Gesichter hinter dem Projekt. Sie möchten den Tod nicht tabuisieren, sondern ermutigen die Menschen, darüber zu sprechen – und das in einem Umfeld, in dem man sich wohlfühlt. Es ist ein sicherer Ort, wo junge Paare, die das Grab ihres verstorbenen Babys besuchen, oder verwitwete Rentnerinnen und Rentner zusammenkommen können. Manche Gäste kommen sogar ganz ohne Grab, sie suchen einfach das Zusammensein und die Gespräche.
Die Atmosphäre ist offen und einladend. Hier wird über alles gesprochen – vom Schmerzlichsten bis hin zu fröhlichen Erinnerungen. Manchmal entstehen Gespräche ganz spontan, während man bei einer Tasse Kaffee zusammensitzt. Das Trauercafé Ginkgo, ein weiteres Beispiel für diese Art von Unterstützung, zeigt, dass der Austausch über Trauer in verschiedenen Formen stattfinden kann. Ob in einem vertraulichen Rahmen oder im halböffentlichen Raum – der Schlüssel ist, dass Menschen sich begegnen, die zuhören und mitfühlen.
Gemeinsam gegen die Einsamkeit
Ein immer wiederkehrendes Thema in diesen Cafés ist die Einsamkeit, die viele Trauernde empfinden. Trauercafés bieten eine niedrigschwellige, unverbindliche Möglichkeit zum Austausch, die es den Besuchern erleichtert, Kontakte zu knüpfen. Sie können kommen und gehen, wann sie wollen, ohne dass eine regelmäßige Teilnahme erforderlich ist. Viele fühlen sich verstanden, ohne ihre Trauer im Detail erklären zu müssen. Das ist der Zauber dieser Treffen: Es gibt Raum für unterschiedliche Geschichten, und jede Trauer ist wichtig.
Die Helferinnen des MOCA-Cafés haben sogar beobachtet, wie eine „Friedhofsfamilie“ entstanden ist. Die Gäste bringen Freunde und Bekannte mit, und so wächst die Gemeinschaft immer weiter. Auch Pietro Sarta, der regelmäßig das Grab seiner Frau besucht, kam mit seinem Sohn Dominik und seiner Enkelin Amelie zur letzten Runde. Sie waren begeistert von dem engagierten Angebot und schätzten die Möglichkeit, sowohl über den Verlust zu reden als auch still zu verweilen.
Im kommenden Mai 2027 soll das Café in sein zweites Jahr starten, und das Team plant bereits, Sonnenschirme für heiße Sommertage und Polster für die Holzbänke bereitzustellen. Ein kleines Detail, das zeigt, wie viel Liebe und Hingabe in diesem Projekt stecken. Und das ist es, was all diese Cafés so besonders macht – sie bieten nicht nur einen Platz für Trauer, sondern auch für Gemeinschaft, Verständnis und ein Stück Lebensfreude.
