Frischer Wind bei den Rudersberger Landfrauen: Neue Vorsitzende brechen mit Klischees und gewinnen junge Mitglieder
Die Rudersberger Landfrauen sind jetzt seit fast 80 Jahren ein fester Bestandteil des Lebens in Allmersbach im Tal. Man könnte sagen, das ist schon eine ganz schöne Zeit! Doch was macht diese Gruppe so besonders? Nun, die beiden Vorsitzenden Patrizia Rall und Nadine Habele sind es, die frischen Wind in den Verein bringen. Mit 37 und 45 Jahren sind sie ein alter Hase, aber gleichzeitig auch Vertreterinnen einer neuen Generation von Landfrauen, die mit klassischen Klischees aufräumen wollen. Oft wird angenommen, dass die Mitglieder aus der Landwirtschaft stammen, besonders verwurzelt im Ort sind oder – ja, gut backen können müssen. Rall und Habele winken aber mit einem Lächeln ab und betonen, dass das alles wenig mit der Realität zu tun hat.
Der Verein hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Es geht längst nicht mehr nur um die traditionellen Aufgaben, die man vielleicht mit Landfrauen verbindet. Die beiden Vorsitzenden haben es sich zur Aufgabe gemacht, auch jüngere Frauen für den Verein zu gewinnen. Das ist eine spannende Herausforderung, denn junge Frauen haben heute ganz andere Interessen und Vorstellungen. Man könnte sagen, sie bringen frischen Wind und neue Ideen mit, was das gesamte Vereinsleben beleben kann.
Ein Blick in die Geschichte
Die Wurzeln der Landfrauenverbände reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Elisabet Boehm die ersten landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine gründete. Diese hatten das Ziel, Frauen im ländlichen Raum in ihren hauswirtschaftlichen und kulturellen Fähigkeiten weiterzubilden. Leider wurden viele dieser Vereine 1934 nach der Machtübernahme der NSDAP aufgelöst. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die Landfrauenvereine in der amerikanischen Besatzungszone eine Renaissance – und so entstanden neue Strukturen.
Am 19. August 1947 kam es zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände“, und ein Jahr später wurde der Deutsche LandFrauenverband (dlv) ins Leben gerufen. Heute umfasst dieser Verband 22 Landes-LandFrauenverbände mit rund 430 Kreis- und über 12.000 Ortsvereinen. Insgesamt sind etwa 450.000 Frauen organisiert, und es ist beeindruckend zu sehen, wie vielschichtig die Mitglieder sind – viele arbeiten nicht mehr ausschließlich in der Landwirtschaft, sondern in zahlreichen anderen Berufsfeldern.
Ein starkes Netzwerk
Was die Landfrauen auch ausmacht, ist ihr Engagement für die Interessen von Frauen und Familien im ländlichen Raum. Der dlv setzt sich für die Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Situation von Frauen ein und fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese Anliegen sind heute relevanter denn je, und die Rudersberger Landfrauen sind da keine Ausnahme. Sie zeigen, dass sich in der Gemeinschaft viel bewegen kann, wenn man zusammenhält und neue Wege geht.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich der Verein in den nächsten Jahren entwickeln wird. Werden Rall und Habele ihre Vision verwirklichen können? Eines ist sicher: Die Rudersberger Landfrauen sind alles andere als altbacken – sie sind lebendig, dynamisch und ein unverzichtbarer Teil ihrer Gemeinde. Und wer weiß, vielleicht backen sie ja doch die besten Kuchen – aber das steht auf einem anderen Blatt.
