Am 16. Oktober 2025 erwartet die Besucher des Ebersbacher Stadtmuseums ein spannender Vortrag über einen wahren Kriminalfall. Um 19 Uhr wird der Referent Uwe Geiger das Publikum mit der Geschichte des Mordfalls von 1926 in Bayern vertrautmachen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des 750-jährigen Jubiläums von Roßwälden statt und beleuchtet die Geschichte eines jungen Knechts, der in einem Bauernhof nahe dem Ammersee ermordet wurde. Der Verdächtige, ein junger Pächter des Gutshofs, verschwand nach der Tat.

Ein zentraler Bestandteil des Vortrags ist die Biographie des mutmaßlichen Täters Otto Klein, geboren 1892 in Roßwälden. Geiger hat seine Geschichte gründlich erforscht und wird detailliert über Kleins Jugend, sein Elternhaus und seine Zeit als Dienstknecht berichten. Der Fall wurde seinerzeit von der bayerischen Presse ausführlich aufgenommen, während die württembergische Presse eher zurückhaltend über die Geschehnisse berichtete. Otto Klein wurde schließlich 1927 in Augsburg durch das Fallbeil hingerichtet, wie auch im Buch „Mehr als 750 Jahre Roßwälden“ erwähnt wird, in dem sich ein ausführlicher Aufsatz über sein Leben findet.

Künstlerische Inspiration und gesellschaftliche Mechanismen

Einer der interessantesten Aspekte des Falles ist die Inspiration, die er für den bekannten Dramatiker Bertolt Brecht bot. Brecht war zur Zeit des Prozesses bei seinen Eltern in Augsburg und ließ sich von den Geschehnissen beeinflussen. Er verfasste das Gedicht “Augsburger Sonett Nr. 1”, das 1982 veröffentlicht wurde. In diesem Gedicht thematisiert er die gesellschaftlichen Mechanismen, die sowohl Täter als auch unschuldige Opfer betreffen. Diese kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, die er in seinen Werken oft thematisierte, zeigt sich auch in Brechts vorherigen Gedichten, die sich ebenfalls mit fiktiven Mordfällen und der Schuld in der Gesellschaft beschäftigen. Brecht stellte die Täter häufig als Opfer sozialer Strukturen dar.

Der Kriminalfall um Otto Klein gilt als einer der spektakulärsten seiner Zeit. Der Autor und Brecht-Forscher Prof. Dr. Jürgen Hillesheim hat diese und weitere Facetten des Falls in seinem Buch detailliert dargestellt. Hillesheim, der seit 1991 die Brecht-Forschungsstätte der Stadt Augsburg leitet, hat über 30 Bücher verfasst und gilt als Experte für Brechts Werk und seine zeitgenössischen gesellschaftlichen Themen.

Praktische Informationen

Nach dem Vortrag wird es die Möglichkeit geben, das Jubiläumsbuch über Roßwälden, das 316 Seiten zählt und für 29,90 Euro erhältlich ist, zu erwerben. Wer sich für die Verstrickungen von Lügen und Identitätsbetrug interessiert, die zur Tragödie führten, sollte diesen Abend im Stadtmuseum auf keinen Fall verpassen.

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Für weitere Informationen zu den Hintergründen des Vortrags können die folgenden Links besucht werden: Filstalwelle, Königshausen & Neumann sowie USHMM.

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