Teufelsfigur in Esslingen sorgt für Empörung und Diskussion über Stadtgeschichte
Am 4. Oktober dieses Jahres war es endlich so weit: Auf dem Platz vor dem Esslinger Rathaus wurde die große bronzene Teufelsfigur enthüllt. Ein Ereignis, das die Gemüter erregte! Hunderte Menschen versammelten sich, um das Kunstwerk des Esslinger Künstlers Tim Bengel zu sehen. Die Skulptur zeigt einen Teufel mit spitzen Zähnen, gehörnten Kopf und einem Pferdefuß – eine eindrucksvolle Darstellung, die die alte Esslinger Sage lebendig werden lässt. Diese Sage erzählt, wie der Teufel einst auf dem Markt einen roten Apfel kaufen wollte, jedoch von einer cleveren Marktfrau mit einer roten Zwiebel überlistet wurde. Der Betrug führte dazu, dass der Teufel die Esslinger als „Zwieblinger“ verfluchte und die Stadt verließ.
Der Spitzname ist bis heute geblieben, und an die legendäre Geschichte erinnert seit Jahrhunderten eine steinerne Teufelsfigur an der Frauenkirche. Doch die neue bronzene Erscheinung sorgte nicht nur für Begeisterung. Tatsächlich wurde sie von vielen Esslingern als provokant empfunden. Empörung machte sich breit, und Tausende forderten die Entfernung der Skulptur. Morddrohungen und Sachbeschädigungen folgten, und die Stadt kündigte an, Strafanzeigen zu erstatten. Ein wirklich tragisches Bild für ein Kunstwerk, das, wie es der Oberbürgermeister Matthias Klopfer formulierte, als identitätsstiftendes Zeichen der Stadt fungieren sollte.
Ein Kunstwerk mit Geschichte
Die Skulptur wurde von der Sektkellerei Kessler anlässlich ihres 200-jährigen Bestehens gestiftet, und Bengel hat die Sage auf eine ganz besondere Weise umgesetzt. Im Gegensatz zur traditionellen Darstellung ist der Teufel in dieser Skulptur der Unterlegene. Er wird von einer Zwiebel überragt – eine clevere Wendung, die den Einfallsreichtum und den Mut der Esslingerinnen und Esslinger symbolisiert. Ein Kunstwerk, das nicht nur zum Staunen anregt, sondern auch die Stadtgeschichte auf unterhaltsame Weise erzählt.
Tim Bengel selbst erklärte, dass er die Sage für kommende Generationen im Gedächtnis halten möchte. Der Teufel soll Teil der Esslinger Stadtidentität bleiben, und das in einer Zeit, in der Tradition und Moderne oft aufeinanderprallen. Klopfer bedankte sich bei Kessler für das Geschenk und bezeichnete die Skulptur als potenziellen neuen Blickfang. Man fragt sich jedoch, wie die Bürger auf diese neue „Attraktion“ reagieren werden.
Die Diskussion um die Teufelsfigur zeigt, wie Kunst polarisiert. Wo die einen sie als wertvolles Stück Stadtgeschichte betrachten, empfinden die anderen sie als unangemessen. Das bleibt spannend. Vielleicht wird der Zwieblinger Teufel ja doch noch zum Symbol einer lebendigen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Esslingen hat zumindest das Potenzial, sich mit Humor und Kreativität mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen – egal, ob im Schatten des Teufels oder beim Genuss einer echten Esslinger Zwiebel.
