Mercedes-Benz plant drastische Kürzungen bei Leiharbeitern und Arbeitszeitverlängerung in Sindelfingen
Heute ist der 23.10.2026 und in Sindelfingen brodelt es gewaltig. Die Nachrichten rund um Mercedes-Benz schlagen ein wie der Blitz. Aktuell kursiert die Information, dass der Autobauer im Rahmen eines Sparprogramms die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland drastisch reduzieren möchte. Das berichtet das „Handelsblatt“ und stützt sich dabei auf Insider-Informationen aus Konzernkreisen. Rund 3.000 Zeitarbeiter sind derzeit in den Fahrzeugwerken in Sindelfingen, Bremen und Rastatt beschäftigt. Die genaue Zahl der Leiharbeiter lässt Mercedes-Benz auf Anfrage offen, spricht jedoch von „einigen Tausend“. Die Unsicherheit ist spürbar.
Mit den geplanten Einschnitten will das Management die Arbeitskosten in Deutschland um satte 800 Millionen Euro jährlich senken. Dazu zählen unbezahlt geleistete Mehrarbeit und Kürzungen bei Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld – das klingt nicht gerade nach einer ruhigen Zeit für die Mitarbeiter. Der Betriebsrat und die IG Metall stellen sich gegen diese Maßnahmen und lehnen sie entschieden ab. Überraschung? Eher nicht. In der aktuellen Situation, wo die Belegschaft in den nächsten zehn Jahren aufgrund von Altersabgängen um rund 20 Prozent schrumpfen wird, wirkt das wie ein riskantes Spiel.
Die 35-Stunden-Woche auf der Kippe?
Mercedes-Chef Ola Källenius hat sogar die Abschaffung der seit fast drei Jahrzehnten geltenden 35-Stunden-Woche gefordert. „Unbezahlte Mehrarbeit“ – das klingt wie eine gruselige Horrorgeschichte für viele Beschäftigte. Der Betriebsrat hat die Pläne zur Arbeitszeitverlängerung strikt abgelehnt, während Aufsichtsratschef Martin Brudermüller eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ins Spiel bringt. Ein echtes Tauziehen, das da im Gange ist!
Die Unternehmensführung begründet ihre Maßnahmen mit einem schwachen Geschäft in China und steigenden Zöllen in den USA. Man könnte fast meinen, die Autos fahren nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Köpfen der Entscheidungsträger. Die Produktivität in Deutschland müsse gesteigert werden, heißt es. Und während diese Diskussionen toben, kündigte Produktionschef Michael Schiebe in einer Betriebsversammlung an, dass ohne deutliche Kostensenkungen möglicherweise ein deutsches Aufbauwerk oder ein Powertrainwerk geschlossen werden müssten. Solche Drohungen erzeugen ein mulmiges Gefühl – nicht nur bei den Leiharbeitern.
Ein Branchenblick auf die Herausforderungen
Die Automobilbranche, und speziell die deutschen Hersteller, stehen unter Druck. Die Nachfrage nach Verbrennern und elektrifizierten Fahrzeugen ist längst nicht mehr auf dem Rekordniveau von 2019. Tesla und die chinesischen Autobauer setzen den deutschen Herstellern zunehmend zu. Die Elektromobilität wird als zentrale Zukunftsfrage der Branche bezeichnet – und hier ist Deutschland nicht mehr der unangefochtene Spitzenreiter. Die IG Metall unterstützt die Beschäftigten und kämpft für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten. Aber wie lange wird dieser Kampf noch weitergehen können?
Die Energiekosten in Deutschland sind hoch, die Bürokratie erdrückend. Die Unternehmen versuchen, ihre Margen zu optimieren, oft zu Lasten der Löhne und Standards. Ein Teufelskreis, der sich schlussendlich auf die gesamte Branche auswirkt. Umsatz und Wertschöpfung in der Automobil- und Zulieferindustrie sind entscheidend für den Industriestandort Deutschland. Die Politik ist gefordert, den Hochlauf der Elektromobilität zu fördern. Ohne eine klare Strategie und staatliche Unterstützung wird es schwer, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Ein starkes Bekenntnis zu Deutschland ist gefordert – sowohl von den Unternehmen als auch von der Politik. Die IG Metall fordert Maßnahmen wie eine Local-Content-Strategie und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Elektromobilität. Doch der schleppende Markthochlauf bremst nicht nur die Investitionen, sondern stärkt auch die internationale Konkurrenz. Ein schmaler Grat, auf dem alle Beteiligten balancieren müssen.
