Mercedes-Benz in der Krise: Sparpläne und Produktivitätsdruck sorgen für Unruhe in Sindelfingen
Heute ist der 23.10.2026, und die Wellen schlagen hoch bei Mercedes-Benz in Sindelfingen. Die Automobilbranche hat es wahrlich nicht leicht, und das merkt man auch am schwäbischen Traditionsunternehmen. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ plant Mercedes, die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland um „einige Tausend“ zu reduzieren. Die Unternehmenssprecherin stellt klar, dass Zeitarbeitnehmer die Stammbelegschaft ergänzen und nicht ersetzen sollen. Doch die Realität sieht oft anders aus. In den Werken Sindelfingen, Bremen und Rastatt sind rund 3.000 Zeitarbeiter beschäftigt, deren Verträge in wirtschaftlich angespannten Zeiten häufig nicht verlängert werden. Das lässt viele Beschäftigte unsicher zurück.
Der Sparkurs von Mercedes-Benz hat in der letzten Zeit an Intensität zugenommen, und die „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ steht auf der Agenda. Der Vorstand schlägt vor, für das gleiche Geld mehr zu leisten – eine Forderung, die bei den Beschäftigten und dem Betriebsrat auf heftige Kritik stößt. Die IG Metall lehnt die geplanten Einschnitte ab, und vor allem die Belegschaft fühlt sich, als müssten sie für Managementfehler bezahlen. Fehlentscheidungen bei der Elektromobilität und der Luxusstrategie werden immer wieder als Gründe angeführt. Mercedes hat in den letzten Monaten einen Gewinnrückgang von 26 Prozent in der Autosparte im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Da fragt man sich: Wo soll das noch hinführen?
Produktivität oder Demotivation?
Die Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität scheinen nicht bei allen auf Zustimmung zu stoßen. Philipp Raasch, ein Branchenbeobachter und ehemaliger Mitarbeiter, bezweifelt, dass die Pläne tatsächlich die Produktivität erhöhen werden. Viele Beschäftigte sind durch die Vorschläge demotiviert. Er warnt davor, dass die Produktivität durch die neuen Arbeitsbedingungen sogar sinken könnte. Und während die Belegschaft in Sindelfingen bei einer Kundgebung „Ola raus“ rief, verteidigte Vorstandschef Ola Källenius die Sparpläne und verglich die höhere Arbeitsbelastung mit zusätzlichen Trainingseinheiten einer Fußballmannschaft. Ein bemerkenswerter Vergleich, oder? Schließlich ist die Frage, ob die Mitarbeiter die zusätzliche „Trainingszeit“ so einfach hinnehmen werden.
Mercedes hat außerdem ein neues Abfindungsprogramm angekündigt, um vor allem ältere Beschäftigte zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen. Das Programm, das Ende März auslief, hatte Medienberichten zufolge zwischen 5.000 und 6.000 Teilnehmer. Betriebsbedingte Kündigungen sind aufgrund einer Beschäftigungsgarantie bis Ende 2034 nicht möglich. Daher wird gemunkelt, dass die Arbeitsbedingungen gezielt unattraktiver gestaltet werden, damit die Leute von sich aus gehen. Ein schmaler Grat, auf dem sich das Management bewegt.
Ein Blick in die Zukunft
Mercedes-Benz plant zudem, die Produktion in günstigere Länder zu verlagern. Während der Standort Kecskemét in Ungarn massiv ausgebaut wird und das größte Mercedes-Werk Europas werden soll, sind die Sorgen um die Arbeitsplätze in Deutschland nicht unbegründet. Die Beschäftigten sehen sich einem zunehmenden Druck ausgesetzt, während das Unternehmen gleichzeitig im April eine Dividende von rund 3,3 Milliarden Euro ausschüttete und Källenius eine Vergütung von knapp neun Millionen Euro erhielt.
Die Situation ist angespannt. Auf der einen Seite gibt es die Forderungen nach mehr Produktivität und weniger Personal, auf der anderen Seite steht eine Belegschaft, die sich um ihre Zukunft sorgt und die Fehler des Managements nicht ausbaden möchte. In Zeiten wie diesen, wo der Druck auf die Automobilindustrie steigt, ist es fraglich, wie lange die Mitarbeiter diesen Spagat noch mittragen können. Und eines ist sicher: Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Maßnahmen tatsächlich fruchten oder ob sie mehr Unruhe in die Belegschaft bringen.
