Schock am Standort Sindelfingen! Die Automotive Integrated Overhead Systems GmbH, besser bekannt als Aios, hat Insolvenzantrag gestellt. Ein harter Schlag für die rund 300 Beschäftigten an den drei Standorten Überherrn-Altforweiler, Bremen und Sindelfingen. Vor allem die Mitarbeiter hier in der Region sind betroffen. Rund 240 von ihnen arbeiten im Saarland, während sich kleinere Betriebsstätten in Bremen und hier in Sindelfingen befinden.

Die IG Metall hat bereits Alarm geschlagen und plant eine Abstimmung über unbefristete Streiks. Am Montag, dem 26. Oktober, soll das Ergebnis vorliegen. Bei einer Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag waren etwa 170 Beschäftigte anwesend. Gewerkschafter Ralf Cavelius sieht einen Streik als die einzige Möglichkeit, um Einfluss auf das Insolvenzverfahren zu nehmen. Die Stimmen der Belegschaft werden laut, es geht um ihre Zukunft!

Ungewisse Zukunft für die Beschäftigten

Das Amtsgericht Bremen hat am 23. Oktober bestätigt, dass Aios unter der Aufsicht einer vorläufigen Sachwalterin weitergeführt werden darf. Die Geschäftsführung strebt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, was bedeutet, dass die Unternehmensleitung die Sanierung selbst steuern möchte. Ob die drei Standorte langfristig erhalten bleiben, bleibt aber ungewiss. Ein Insolvenzplan muss innerhalb von drei Monaten vorgelegt werden, aber die Sorgen um die Arbeitsplätze wachsen.

Die Probleme des Unternehmens sind nicht neu. Bereits im Juni informierte die Unternehmensleitung die Belegschaft über die Möglichkeit eines Insolvenzverfahrens. Im August kam es dann zu Schwierigkeiten bei den Lohn- und Gehaltszahlungen. Die IG Metall kritisiert die mangelnde Transparenz der Geschäftsführung und wirft ihr vor, dem Betriebsrat keinen ausreichenden Einblick in die Geschäftszahlen gegeben zu haben.

Hintergründe und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Aios fallen in eine kritische Zeit für die gesamte Automobilindustrie. Mercedes-Benz, als Hauptkunde, plant massive Sparmaßnahmen, die auch die Zahl der Leiharbeiter an den deutschen Standorten betreffen. Laut Medienberichten sollen jährlich etwa 800 Millionen Euro eingespart werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Zulieferer – und Aios steht nicht allein. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Zulieferindustrie um 65 % auf 56 Fälle. Ein Trend, der sich auch für die kommenden Jahre fortsetzen könnte.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag für den Fall betrieblicher Einschnitte. Die Sorgen um die Belegschaft sind berechtigt, denn die Zukunft des Standorts Sindelfingen ist ungewiss. In den kommenden zehn Jahren werden rund 20 % der Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden, und die Frage ist, ob jüngere Mitarbeiter nachrücken können oder wollen.

Ein Blick auf die weitere Branchenentwicklung zeigt, dass von 2025 bis 2027 in Deutschland rund 4 Millionen weniger Fahrzeuge produziert werden sollen. Die Insolvenzen konzentrieren sich dabei auf Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Mitarbeiter bei Aios müssen sich auf eine ungewisse Zukunft einstellen – und die Gespräche über den Sozialtarifvertrag sind ein erster Schritt in diese Richtung.