Das Modell der Herrenberger Stiftskirche, ein bedeutendes historisches Wahrzeichen, wurde kürzlich im Stadtarchiv Herrenberg restauriert und wieder ausgestellt. Dieses bemerkenswerte Kunstwerk wurde vor knapp 100 Jahren von dem renommierten Bildhauer Wilhelm Klink geschaffen. Es zeigt die Stiftskirche vor der Zerstörung ihrer Doppeltürme durch einen Blitzschlag im 18. Jahrhundert. Das Modell ist aus Holz gefertigt und steht auf einem hellgrün gefassten Sockel, versehen mit praktischen Tragegriffen.
Die Restaurierung fand ihren Anfang, als das Modell bei der Revitalisierung des Fruchtkastens wiederentdeckt wurde. Dank einer großzügigen Spendenaktion konnten insgesamt 4455 Euro gesammelt werden, unterstützt von Privatpersonen, der Bürgerstiftung und dem Schwäbischen Heimatbund. Die Restauratorin Antoaneta Ferres war für die Reinigung und Schadensbeseitigung verantwortlich und überarbeitete die Malereien des Modells.
Ein historisches Wahrzeichen
Die Stiftskirche selbst ist das Wahrzeichen der Stadt Herrenberg und wird oftmals liebevoll „Glucke“ genannt, da sie wie eine Henne über ihre Küken wacht. Sie wurde in zwei Hauptbauphasen zwischen 1276–1293 und 1471–1493 errichtet und zählt zu den ersten spätgotischen Hallenkirchen, die in Württemberg fertiggestellt wurden. Ein charakteristisches Merkmal ist der frühgotische Turm mit barocker Zwiebelhaube, das Ergebnis einer Turmerneuerung, die die ursprüngliche gotische Doppelturmfassade ersetzte.
Im Inneren der Stiftskirche befindet sich nicht nur eine weitläufige Glockenstube, sondern auch das Glockenmuseum Stiftskirche Herrenberg. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden bedeutende Kunstwerke wie die steingehauene Kanzel und das bilderreiche Chorgestühl von Heinrich Schickhardt dem Älteren geschaffen. Der Herrenberger Altar von Jerg Ratgeb, ein weiteres Meisterwerk, ist heute in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt, während nur eine Kopie des Altarretabels in der Stiftskirche verbleibt.
Ein Ort der Präsentation
Das Restaurierte Modell wurde im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Stadt Herrenberg präsentiert, als vier Kinder es stolz durch die Altstadt trugen. In der Vergangenheit war das Modell bereits auf Veranstaltungen wie dem Herbstfest 1959 und dem Feuerwehrfest 1960 zu sehen. Nach diesen Ereignissen wurde es jedoch im Stadtarchiv gelagert und war lange Zeit nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Präsentation des restaurierten Modells fand gemeinsam mit Stefanie Albus-Kötz und Elena Hocke statt, die das historische Erbe der Region würdigen. Das Stadtarchiv hat regulär montags von 8.30 bis 17 Uhr sowie dienstags bis donnerstags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Allerdings bleibt das Archiv während der Pfingstferien vom 16. bis 20. Juni geschlossen.
Die Stiftskirche bietet nicht nur eine eindrucksvolle Architektur, sondern auch eine bedeutende kulturelle Geschichte. Die Kombination aus historischem Modell und der restaurierten Kirche macht Herrenberg zu einem Ort von Interesse für Geschichts- und Kunstliebhaber.
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