Grafenau feiert 650 Jahre Stadtgeschichte mit der Ausstellung „Grafenau im Wandel der Zeit“
Grafenau, eine kleine Stadt, die ihre Geschichte auf vielfältige Weise bewahrt, feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum. Anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums wurde am 16. Oktober 2026 die Ausstellung „Grafenau im Wandel der Zeit“ eröffnet. Die Vernissage fand im Atelier Weissraum in der Hauptstraße statt und lockte zahlreiche Besucher an. Historische Fotografien aus der Sammlung Schmeller wurden präsentiert, die eindrucksvoll die Veränderungen der Stadt, ihrer Gebäude und des Alltagslebens über mehrere Jahrzehnte dokumentieren.
Im ehemaligen Schmellerhaus am Oberen Stadtberg lagen einst mehrere tausend Glasnegative, die vor allem Motive aus Grafenau zwischen 1920 und 1960 festhielten. Leider existiert das Gebäude heute nicht mehr. Anton Schmeller, der Urgroßvater von Alois Schmeller, erwarb das Wohn- und Geschäftshaus bereits 1891. Alois selbst begann nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner Leidenschaft für die Fotografie – 1938 richtete sein Großvater ein modernes Fotolabor ein. Ein Schatz aus der Vergangenheit, den Alois Schmeller, der die Glasnegative schon aus seiner Kindheit kannte, nun der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Einblicke in die Vergangenheit
Die Ausstellung zeigt nicht nur Straßen und Gebäude, sondern auch Menschen und Alltagsszenen, die oft kaum wiederzuerkennen sind. Besonders bemerkenswert sind die Motive des inzwischen abgerissenen Schmellerhauses und der ehemaligen Grafenauer Skisprungschanze am Hohen Sachsen. Diese wurde 1929 eingeweiht, später zur Sachsenbergschanze ausgebaut und 1978 im Zuge des Straßenbaus abgerissen. Wer sich für die technische Seite der Schanze interessiert: Sie hatte einen K-Punkt von 50 Metern und einen Schanzenrekord von 52,0 Metern, aufgestellt von Robert Stadler im Jahr 1960. Die Schanze war nicht nur ein Ort für Wettkämpfe, sondern auch ein Treffpunkt für die Gemeinde, wo bis zu 2.000 Zuschauer den Grafenauer Dreikönigsspringen beiwohnten.
Nach dem Verkauf des Schmellerhauses an die Stadt Grafenau im Jahr 2024 musste eine dauerhafte Lösung für den fotografischen Nachlass gefunden werden. Elisabeth und Rudi Mautner von der Agentur Weissraum übernahmen die Zwischenlagerung, Sichtung, Reinigung und Digitalisierung der Glasnegative. Statt der erwarteten rund 1.000 Negative wurden schätzungsweise 3.000 bis 4.000 Aufnahmen entdeckt! Jedes Negativ wurde dabei sorgfältig behandelt und für die weitere Aufarbeitung vorbereitet. Diese Arbeiten wurden unter anderem durch das Ilzer Land gefördert, und die Ausstellung selbst ist das Resultat von privatem Engagement.
Ein Geschenk an die Stadt
Bürgermeister Jonas Höcker hob die Bedeutung der Ausstellung hervor und dankte der Familie Schmeller sowie Elisabeth und Rudi Mautner für ihren unermüdlichen Einsatz. Auch die stellvertretende Landrätin Hilde Greiner betonte den historischen Wert der Aufarbeitung. „Es ist ein Geschenk an die Stadt“, so Höcker, und man spürt die Begeisterung, wenn die Geschichten der Familie Schmeller erzählt werden – von den teils schwierigen Lebensbedingungen früherer Generationen bis hin zu den kleinen Freuden des Alltags.
Die Ausstellung ist bis zum 6. Dezember 2026 in der Hauptstraße 12 zu sehen. Donnerstags von 13 bis 17 Uhr ist das Atelier Weissraum geöffnet. Für alle, die mehr sehen möchten: Weitere Fotografien werden im Café-Bistro A GUADE ZEIT von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 9 bis 18 Uhr gezeigt. Und das Beste? Der Eintritt ist an beiden Orten frei! Ein wahrhaftiges Fest für alle Geschichtsinteressierten und Nostalgiker.
Schaut man auf die Stadt Grafenau und ihre Entwicklung, wird klar, wie wichtig es ist, solche Erinnerungen zu bewahren. Das Stadtarchiv ist hierfür ein wertvoller Ort, der von jedermann eingesehen werden kann, sofern ein berechtigtes Nutzungsinteresse glaubhaft gemacht wird. Ob für wissenschaftliche Zwecke oder heimatkundliche Recherchen – es gibt viele Möglichkeiten, die Geschichte zu erforschen. Die aktuelle Ausstellung ist somit nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Anstoß, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
