In Villingen wird das ehemalige Gästehaus Tannenhöhe in ein innovatives christliches Gemeinschaftswohnprojekt für Senioren umgebaut. Dieser Umbau ist besonders wichtig, da das Gästehaus aufgrund des Alters der Betreiber, der Schwestern des Diakonissenmutterhauses Aidlingen, geschlossen wurde. Annette Kessel, die Projektleiterin, führt ein engagiertes Team von 20 Personen, das sich darauf konzentriert, den einzigartigen Charme des ehemaligen Gästehauses, insbesondere dessen Stuck, zu bewahren.
Das neue Wohnprojekt wird insgesamt 61 Appartements mit 98 Zimmern bieten, die in einem Cluster-Wohnen für etwa 77 Menschen organisiert sind. Hier können die Bewohner in Ein-, Zwei- oder Dreizimmer-Appartements mit eigenen Nasszellen und Küchenzeilen wohnen. Darüber hinaus sind Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Küchen und ein großer Speisesaal vorgesehen, wobei ein gemeinsames Mittagessen Pflicht sein wird. Die Mieten beginnen bei etwa 995 Euro für kleinere und 1535 Euro für größere Appartements, wobei die Kosten für das Mittagessen sowie eine Service- und Notfallpauschale bereits enthalten sind.
Engagement und Pflege
Ein zentrales Element des Projekts ist das Engagement der Bewohner. Diese müssen sich verpflichtend sechs Stunden pro Woche in verschiedenen Bereichen, wie Küche, Garten oder Verwaltung, einbringen. Obwohl die Pflege nicht als Hauptfokus betrachtet wird, ist ein mehrstufiges „FürSorge“-Konzept für pflegerische Begleitung vorgesehen. Zudem sind neun Plätze für eine 24-Stunden-Betreuung in einer Unterstützungs-WG eingeplant, und der Pflegedienst Diakonie Ambulant Schwarzwald-Baar wird dauerhaft im Haus präsent sein.
Das Projekt wird als Zentrum des Kurgebiets angesehen und soll auch einen Service-Point sowie ein SB-Café für Bewohner und Spaziergänger umfassen. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im April 2026, mit der Fertigstellung des ersten Abschnitts Anfang 2027. Insgesamt werden 18,6 Millionen Euro in dieses bedeutende Vorhaben investiert, wovon 9,3 Millionen Euro Eigenmittel, 5,6 Millionen Euro aus Fördermitteln und 3,7 Millionen Euro aus Spenden stammen. Dies zeigt, wie wichtig die Unterstützung solcher Projekte für die Gemeinschaft ist.
Trend zu alternativen Wohnformen
Der Umbau der Tannenhöhe ist ein Teil eines größeren Trends, der die Herausforderung widerspiegelt, alternative Wohnformen für Senioren zu finden, die über institutionelles Wohnen hinausgehen. Altersgerechtes Wohnen bietet den großen Vorteil, dass die Autonomie der Bewohner in der Planung und Lebensführung gefördert wird. Dabei müssen Wohnstätten je nach Bedarf angepasst werden, was geschultes Pflegepersonal und barrierefreien Zugang einschließt. Gemeinschaftliches Wohnen ermöglicht es den Senioren, ihre Unabhängigkeit zu bewahren und gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft zu sein, was durch Modelle wie Demenz-WGs oder Senioren-WGs unterstützt wird.
Die Vorteile gemeinschaftlicher Wohnprojekte sind vielfältig: Sie bieten eine höhere Wohnqualität durch geteilte Räume und Kosten, was insgesamt günstiger ist als die Eigenfinanzierung. Senioren-Wohnprojekte sind häufig in Mietwohnungen angesiedelt, was die Flexibilität erhöht und den Bedürfnissen der Bewohner entgegenkommt. Dies spiegelt sich auch in der Initiative des Bundesseniorenministeriums wider, das am 1. März 2024 das Modellprogramm „AGIL – Altersgerecht, gemeinschaftlich und inklusiv leben“ ins Leben gerufen hat. Ziel des Programms ist die Unterstützung innovativer Wohnprojekte, die generationengerechtes Wohnen und Teilhabe fördern.
Mit bis zu 15 geförderten Investitions- und Bauprojekten bundesweit, richtet sich das Programm an Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, freie Initiativen, Baugruppen und gemeinwohlorientierte Organisationen. Der Fokus liegt auf neuen Formen des gemeinschaftlichen Wohnens, die Technik und Barrierefreiheit im Alltag berücksichtigen und den nachbarschaftlichen Austausch sowie den sozialen Zusammenhalt stärken. Das Projekt in Villingen ist somit ein leuchtendes Beispiel für die Zukunft des Wohnens im Alter.